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Alle Namen von den Personen die auf den weitern Seiten vorkommen sind frei erfunden Jegliche Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig! Dies machen wir unfreiwillig und einzig aus rechtlichen Gründen. Aber alle geschilderten Begebenheiten haben so und nicht anderes stattgefunden.



Wer ich war

Text zum Thema Selbstdarstellung

Ich war ein sehr kleiner Junge.
Ich war immer sehr wissbegierig und ein aufmerksamer Zuhörer - wenn Erwachsene sich unterhielten. Ich verstand noch nicht viel von dem, aber ich konnte mir unheimlich viel davon merken.

Und ich konnte nie etwas vergessen.
Wenn ich Jahre später jemanden wieder sah, habe ich ihn sofort wiedererkannt. Ich wusste nie die Namen, aber ich wusste, dass diese Person 'dann und dann' da war, und ob sie nett oder nicht nett zu mir war. Und ich konnte als ich größer - besser schlauer - war, viele von den gehörten Sachen richtig anwenden. Ich wollte auch immer alles genau wissen, und auch am liebsten selber machen.

Und ich redete unheimlich gerne und unheimlich viel.
Ich hatte ja auch so viel aufgeschnappt, wenn die Erwachsenen sich unterhielten. Oft sagte ich dann - wenn ich meinte es würde jetzt gut passen - irgendwelche Sätze die ich so gehört hatte. Sie haben dann oft über mich gelacht. Papa sagte immer ganz stolz:
'Schau dir einer den "Schlauberger" an. Nicht richtig laufen können, aber mitreden wollen', und alle lachten.

Mama hatte nie Zeit für mich.
Irgendwie war ich immer nur im Weg.
Ich plapperte ihr auch immer zuviel, wollte immer zu viel wissen. Das mochte sie gar nicht. Sie ließ mich gerne lange im Bett liegen, oder sperrte mich in der 'guten Stube' im Gitterstall ein. Dort musste ich dann immer alleine spielen.

Ich war noch 'zu klein' um draußen zu spielen.
Irgendwann aber war ich endlich 'groß genug'. Ich durfte alleine auf den Spielplatz in unserer Strasse. Ich war am liebsten immer draußen. Da gab es so viel Neues zu entdecken.

Mama hatte noch immer keine Zeit für mich.
Ich musste immer warten bis sie mir die Schuhe angezogen hatte.
Das dauerte mir immer viel zu lange, bis sie endlich mal Zeit hatte. Ich schaute ihr immer aufmerksam dabei zu, wenn sie mir die Schuhe zuband. Sie machte mir immer Schleifen in die Schnürsenkel. Wenn ich das doch selber könnte, bräuchte ich nicht mehr darauf zu warten das sie endlich mal Zeit hatte mir die Schuhe anzuziehen. Dann könnte ich doch immer sofort raus.

Aber sie wollte es mir ja nicht beibringen.
Sie hatte ja keine Zeit. Sie musste immer Kochen, Bügeln, Wäsche waschen, sauber machen, Staub wischen und noch ganz viele andere wichtige Sachen. Und wenn sie dann endlich mal Zeit hatte, brauchte sie diese Zeit um sich Kaffee zu kochen, mit einem Liebsroman in der Küche zu sitzen, und zu lesen. Diese Liebesromane waren für sie so wichtig, dass sie sogar oft das Essen dabei anbrennen ließ.

Ich nahm mir eines Tages meine Schuhe mit ins Kinderzimmer, und verbrachte dort fast den ganzen Tag mit dem Versuch sie zu zumachen. Aber irgendwie wollte es nicht klappen. Mama wollte mir immer noch nicht zeigen wie das geht. Sie schimpfte nur:
'Stehle mir nicht meine kostbare Zeit mit so was. Da bist du noch zu klein und dumm dafür!', und schickte mich wieder hoch ins Kinderzimmer.

Ich und zu dumm, hah...!
Der würde ich es schon zeigen, dass ich nicht zu dumm bin.
Und wenn ich wochenlang nicht mehr rauskonnte. Ich würde es lernen. Ich würde es genauso gut - ach was - ich würde es dann besser können als sie!

Und so versuchte ich es immer weiter.
Ich war zu stolz um noch mal irgend jemand nach Hilfe zu fragen. Bis dann endlich meine Schwester Ute mich dabei beobachtete, und mir dann in aller Ruhe zeigte wie einfach es ist eine Schleife in die Schnürsenkel zu machen.
Ich hatte Ute schon immer ganz besonders lieb gehabt, aber dafür, dass sie mir bei dem Problem geholfen hatte, hätte ich glatt alles für sie getan. Sie würde, wenn ich ganz groß bin, ganz sicher meine Frau werden!

Endlich war ich, dank Ute, frei.
Ich konnte endlich meine Schuhe selber zubinden und rausgehen.

Es war ganz leicht.
Und es ging ganz schnell.
Ich habe es nie verstanden, dass Mama ihre kostbare Zeit für mich opfern musste - obwohl Schuhe zumachen doch so schnell ging.

Jetzt war ich nur noch draußen zu finden.
Egal ob Sonne oder Regen, Sommer oder Winter - Ich wurde zum Entdecker. Ich konnte Stundenlang am Straßengraben sitzen und zusehen wie die Lurche sich dort Essen fingen oder Höhlen bauten. Die Ungeheuer, mit den großen Zangen an Kopf und Hintern, die andere kleinere Tiere fingen und auffraßen. Und die Käfer, die mit einer Luftblase am Hintern auf den Grund tauchten und dort nach Essen Ausschau hielten. Und die Ungeheuer, die mit den großen Zangen an Kopf und Hintern, die dann eines Tages an einer Wasserpflanze hochkletterten und sich dort von diesem hässlichen Tier in eine schöne Libelle verwandelten. Ich sah Feuer- und andere Salamander durch das Gras schleichen. Grillen sprangen dann auf der Flucht vor ihnen durch die Gegend. Und die dicken Hummeln, die auf den Blumen saßen und dort ganz eingestaubt wieder wegflogen.

Ach es gab so unendlich viele Sachen zu erleben.
Ich hatte auch ganz viele Freunde in der Siedlung. Wir spielten immer auf dem Spielplatz zusammen. Am liebsten mochte ich Bernd. Der war mein bester Freund. Der mochte die selben Dinge wie ich.

Wir waren immer zusammen am Graben um die Tiere zu beobachten.
Die anderen Kinder fanden das blöde und langweilig. Aber wir beide konnten da tagelang sitzen und zuschauen. Wir legten uns auch, wenn das Getreide auf den Feldern reif war, gerne auf dem Acker hin und sahen zu, wenn die Hamster und Mäuse sich die Backen mit den Körnern voll stopften und in ihren Bau brachten.

Es war eine tolle Zeit, bis knapp vor der Schulzeit.
Auch wenn die anderen Kinder schon länger nicht mehr mit uns 'Sunks' spielten, so gab es doch immer noch draußen mehr für mich zu Erleben, als Zuhause. Dort war ja immer nur die Mama. Und der kleine Gerd, mein neuer Bruder, der inzwischen auch zu uns gehörte. Aber der war ja noch zu klein und zu dumm. Der saß bei Mama eingesperrt im Gitterstall in der 'guten Stube', damit er sie nicht störte.

Der hatte doch selber Schuld.
Er wollte ja nie etwas Lernen, spielte lieber mit Utes alten Puppen.
Ich konnte in seinem Alter schon richtig reden und Schuhe selber zubinden, und er brabbelte immer noch wie ein Baby herum. Ich hatte inzwischen mein Forschungsgebiet bis an die Elbe ausgedehnt. Dort sah ich den Kiebitzen und Schafen zu, schlich mich am Enten ran, winkte den großen Schiffen, die aus Hamburg kamen und aufs Meer rausfuhren, sehnsüchtig nach. 'Was die wohl alles erleben würden auf ihrer Reise', dachte ich dann immer.

Aber jetzt war ich ja in der Schule.
Na gut, bisher hatte es mir ja auch dort Spaß gemacht.
Ich konnte so unheimlich viel dort lernen, endlich so schlau werden wie Ute.

Aber das war ja jetzt auch vorbei.
Das würde jetzt ja alles anders werden.

Jetzt, wo ich endlich wusste, dass ich trotz aller Bemühungen nichts taugte.
Richtige Freunde hatte ich ja auch schon lange nicht mehr. Bernd durfte nicht mehr mit mir zusammen sein, und die Klicke war eigentlich auch nicht das Richtige für mich. Die Jungs waren sehr dumm und gewalttätig. Die verprügelten aus langer Weile andere Kinder. Vor allem gerne kleinere Kinder. Und jetzt in den Ferien hatten sie viel lange Weile.

Mir war das eigentlich viel zu dumm, aber was sollte ich schon machen.
Ab und zu wollte ich doch auch Spielen. Zum Beispiel Fußball, das fand ich schon immer toll. Das mochte ich wirklich gerne. Da war ich auch besonders gut drin. NA JA - ganz alleine auf die Dauer, das war eben nichts. Alleine Fußball spielen ging eben nicht, und ich musste doch auch mit irgend jemand über meine Abenteuer reden können.

Wer blieb dann schon noch über?

Vater... der konnte nicht reden - der prügelte nur.
Mutter... die konnte nur Haushalt - und meckern und schlagen.
Ute... die hatte selten Zeit - da sie ganz viele Freundinnen hatte.
Günter... der war in der selben Klicke - er hatte mich ja da reingebracht.
Gerd... der war zu klein - und dumm.

Ferienende, jetzt wird ja die Schule wieder anfangen.
Zweite Klasse...mal sehen was kommt.

Irgendwie geht auch das vorbei.
Mit zehn, also in der dritten Klasse, werde ich zur Erstkommunion kommen und endlich zu den Großen zählen.

Aber bis dahin ist noch Zeit.
Erst mal wieder in die doofe Schule, zu den bekloppten Lehrern.
Ich weiß zwar nicht mehr wozu noch, aber hingehen werde ich ja doch müssen.
Zwar nicht mehr jeden Tag, da ich die Unterschrift von Mutter gelernt hatte und mir jetzt selber Entschuldigungen ausstellen konnte, aber das ging ja nicht jeden Tag.

Leider!




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