www.kinderqualen.de - alles wissenswerte über sexuellen Missbrauch, Misshandlung und deren Folgen
[an error occurred while processing this directive]


 aktuelle Seite: 
/der-Start-HeimZeit-Band-II.181.0.html

Auf dieser Seite nach einem bestimmten Wort suchen und makieren

Alle Namen von den Personen die auf den weitern Seiten vorkommen sind frei erfunden Jegliche Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig! Dies machen wir unfreiwillig und einzig aus rechtlichen Gründen. Aber alle geschilderten Begebenheiten haben so und nicht anderes stattgefunden.



HeimZeit - der Start

Text zum Thema Entfremdung / psychische Effekte

Also doch... Kinderknast!
Hatten die Alten es doch geschafft mich in den Kinderknast zu bringen.

Hoch oben unter dem Dach im Gebäude des Jugendamts Hamburg. Die Fenster mit breiten Querriegel und dicken Vorhängeschlössern verriegelt. Eingangstür ist immer zugeschlossen. Aber - wenn keiner einfach raus kann, kann auch keiner einfach reinkommen. Das bedeutete Sicherheit.

Waren Zimmer und Menschen da? Bestimmt, aber keine Erinnerung daran. Keine Träume mehr! Keine Menschen von Bedeutung

!! Leere !!

Ob es Erzieher oder Erzieherinnen gab? Bestimmt.
Pädagogen und Psychiater? Auf jeden Fall.
Aber eben ohne Bedeutung für mich, und so ohne Erinnerung daran.

Stumpfsinniges Warten und Lauern, auf das was da kommen soll.
Körperlich war ich angekommen - hier im Kinderknast, aber sie waren wohl zu schnell mit mir aus Glückstadt hierher gefahren. Irgendwie hatten sie vergessen meine Seele mit einzupacken. Sie war verlorengegangen.

Verschlossen und sprachlos - die Stunden, Tage und Wochen verstreichen lassen.

Schlafen - Essen - Trinken?
Bestimmt, aber egal - keine Ahnung ob im Zimmer oder Speisesaal. Absolut Null.

Bum - Bum - - - Bum - Bum - - - Bum - Bum - - - Bum - Bum

Monotones schlagen des Hinterkopfes an die Wand.
Wozu? Fühlen wollen - Leben?

Einfach nur Leere.
Kein Gefühl mehr - kein Hass, kein Schmerz, keine Trauer - TOT?

Wie lange?? Tage - Wochen ??

Immer nur im Zimmer oder auf dem Flur - Mauern - lebendig eingemauert.
!! Als ‚DraußenKind' eingemauert - eingesperrt !!

Einzige echte Erinnerung an diese Zeit:

Ein Spaziergang mit anderen Kindern in Zweierreihe, runter zur Alster. War gar nicht weit weg - und trotzdem unerreichbar. Oben vom Fenster aus nicht zu sehen. Die Alster ein riesiger See - die Außenalster von Hamburg. Segelboote auf dem Wasser, Menschenmassen an den Ufern.

Eltern mit ihren tobenden und lachenden Kindern.
Eine fremde Welt!

Viel Grün - Bäume - Wasser - die Sonne scheint.

Erinnerungen brechen durch.
... der Deich, die Wiesen - mein Graben mit seinen Bewohnern...

Welcher Monat? Welches Jahr? Welcher Tag?
Ist doch egal - Eingesperrte brauchen so etwas nicht.

Jetzt wo ich das schreibe, weiß ich endlich wo und wann ich den Kontakt zu Eurer Realität verloren habe. Bis heute kann ich irgendwelche Ereignisse nur an besonderen Vorkommen festmachen, wenn es um die Zeitrechnung geht! Jeder normale Mensch sagt "Ach ja, das war doch 1966 als ich in Hamburg ankam". Ich nicht - ich muss mir damit helfen das es in dem Jahr war, als das sagenhafte Tor in Wembley fiel. Dann zurückrechnen durch die Weltmeisterschaften - immer vier Jahre weiter zurück und dann bei 1966 ankommen.

Aber Eure Zeitrechnung habe ich - bis heute - verloren in jenen Tagen.
Selbst heute noch muss ich im Fernsehen, der Zeitung oder im Computer nachsehen welchen Tag oder Monat wir haben. Die Tage, Monate und Jahre laufen an mir vorbei ohne Wert und Sinn. Den Kalender vergesse ich immer weiterzustellen. Tagelang, bis ich mal einen dringenden Termin wahrnehmen muss. Dann richte ich alles wieder richtig ein, um es danach wieder zu vergessen. Egal, weiter im Text.

Ich würde ja gerne über tolle oder nicht so tolle Ereignisse aus der Averhoffstrasse berichten, aber ich war nicht dabei - nur mein Körper!
Eben bis auf diesen Augenblick an der Alster - aber das war ja eine fremde Welt.

Eltern, die mit ihren Kindern spielten und herumtobten, diese Welt kannte ich nicht.
Oder hatte ich sie nur vergessen??

Halt!

Da taucht vage ein Schatten auf.
Kaum wahrnehmbar - wie hinter einer verschmierten Scheibe.

Ein Büro - Schrank - Tisch - Stühle.
Mann mit Brille und Rauschebart. Viele dicke Bücher. Tafeln mit Bildern drauf. Bretter mit kleinen Hohlräumen in unterschiedlicher Form und kleine Klötze auch in unterschiedlicher Form - die sollte ich in die passenden Hohlräume stecken.

Aber ich spielte nicht mehr, und erstrecht nicht hier!

Bilder - einfache Kleckse, keine Fotos oder Gemälde wie im Wohnzimmer der 'röhrende Hirsch' über dem Sofa, oder im Elternschlafzimmer die 'halbnackte Spanierin' über dem Bett.

Was ich darin sehe hätte er gerne gewusst.
Ich sprach aber nicht mehr - Nie!
Seit ich hier war nicht mehr!
Egal ob ich Hunger oder Durst hatte, oder aufs Klo musste.

Hier legte ich den Grundstein für meine 'Wüstentauglichkeit' - wie das heute noch gerne nenne. Ich konnte von da an, und kann es auch heute noch, ewig lange ohne Essen und Trinken auskommen. Vom Reden ganz zu schweigen!

Ich will euch alle nicht um mich haben!
Ich verrate euch nichts von meinen Bedürfnissen, weder körperliche noch mentale! Ich saß meine Zeit einfach nur stumm und stoisch ab, war ich doch ein seelenloser Körper.

Keiner bedrohte mich mehr - körperlich.
Sie hatten die Schwellungen und frischen Striemen von der Koppel der Feuerwehruniform auf meinem Körper gesehen, die der Alte mir zum Abschied mit auf die Reise gegeben hatte.

Aber ich sprach nicht mehr - und erstrecht nicht über 'SOWAS'

Ich hatte es ja mal versucht - Herr Heitmann vom Jugendamt - aber sie wussten es ja besser. "Ein Arschvoll hin und wieder, hat noch nie jemand geschadet", war ihr Kommentar gewesen!

Irgendwann packte man meine Sachen zusammen, und teilte mir mit das ein Heimplatz für mich frei geworden wäre, dass man mich jetzt dahin bringt.

Wen das interessierte? Keine Ahnung - Mich nicht!
'ICH' war doch noch gar nicht hier angekommen.*

Egal, weg von hier - kein Verlust, da keine Erlebnisse da sind die mich an diesem Ort binden könnten - heimatlos eben!
Ich war zwar den Teufeln entkommen, hatte aber keinerlei Bindung an irgendetwas aus dieser Zeit retten können. Es gab nur noch fremde Menschen, fremde Gerüche und fremde Orte.

Keine Orientierung mehr!

Aber auch keine Gewalt - erst mal jedenfalls!
War eben qualifiziertes Personal das mich da umgab, und sie hätten es wohl auch verdient gehabt das ich mich ihnen öffne - aber so schnell geht das nun mal nicht.
Wenn man etwas zerbrochen und die Scherben achtlos weggeworfen hat, dann dauert es eben seine Zeit das wieder zusammenzusuchen und zu kitten, damit man wieder 'ein Ganzes' bekommt.

Aber da war ja die 'neue Mode' - die überall wichtig war, auch und gerade bei Menschen.

!! Zeit sparen - Zeit ist Geld !!

Wenn ich mir das so Recht überlege, müsste die Zeit, die man 'an mir' und die auch 'von mir' gespart worden ist, für ein komplett neues Leben reichen!



Anmerkung:*
Laut Lehrmeinung der Psychologie besteht eine Persönlichkeit aus dem 'ES' dem 'ICH' und dem 'ÜBER-ICH'. So lernte ich das ab 1967 und die darauffolgende Jahre im Rahmen meines Psychologie-Exkurs.
Hier ein kurzer Einblick :
Das Es, der 'dunkle, unzugängliche Teil unserer Persönlichkeit', ist dem Bewusstsein gegenüber verschlossen, seine Energie bezieht es aus den menschlichen Trieben, in ihm herrscht das Lustprinzip. Es ist 'ein Chaos, ein Kessel brodelnder Erregungen'. Gleichwohl beeinflusst es unser Handeln, ohne dass es uns bewusst wäre. Das Ich vertritt die Persönlichkeit gegenüber der Außenwelt, es ist dem Realitätsprinzip verpflichtet, indem es denkend zwischen Bedürfnissen und Handlungen sowie deren Folgen abwägt. Dabei ist das Ich abhängig von den Ansprüchen des Es, wie auch von denen des Über-Ichs: In ihm hat sich der elterliche Einfluss, die Erziehung, niedergeschlagen: Das Über-Ich ist eine Art moralischer Instanz mit Geboten und Verboten.

Was sie also nach Hamburg-Volksdorf fuhren war nur das 'ES' - der Instinkt zu überleben. Das 'Ich' war noch auf der Suche nach mir, und das 'ÜBER-ICH' war wohl im Schrebergarten zurückgeblieben - gefesselt von dem, was ich getan hatte.

Na ja, wie auch immer - bei mir waren die beiden jedenfalls noch nicht angekommen, ging wohl doch alles etwas zu schnell!




Share www.kinderqualen.de/der-Start-HeimZeit-Band-II.181.0.html to Facebook  Share www.kinderqualen.de/der-Start-HeimZeit-Band-II.181.0.html to Twitter  Share www.kinderqualen.de/der-Start-HeimZeit-Band-II.181.0.html to Linkedin  Share www.kinderqualen.de/der-Start-HeimZeit-Band-II.181.0.html to Google 

http://www.kinderqualen.de wissenswerte über sexuellen Missbrauch, Misshandlung archive
archive
archive
archive