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Alle Namen von den Personen die auf den weitern Seiten vorkommen sind frei erfunden Jegliche Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig! Dies machen wir unfreiwillig und einzig aus rechtlichen Gründen. Aber alle geschilderten Begebenheiten haben so und nicht anderes stattgefunden.



der Ausflug /Teil I

Text zum Thema Verarbeitung, Verdrängung

Ich saß im Schlafzimmer am Tisch, und war dabei mich mit Mathe abzuquälen.
Die Tür ging auf und mein Erzieher Rolfie kam rein. Er schaute mir kurz über die Schulter auf mein Heft, ging dann zum Bett und setzte sich darauf.

"Komm, setzt dich mal hier her zu mir", forderte Rolfie mich auf, und klopfte dabei neben sich auf das Bett. Misstrauisch sah ich von meinen Hausaufgaben auf und zu ihm rüber. "Es wird Zeit das wir uns endlich mal ernsthaft unterhalten. Ich weiß doch das dich irgendetwas so sehr bedrücken muss, dass du immer so abdrehst".
"Worüber sollen wir denn reden? Läuft doch alles zur Zeit – oder habe ich wieder was angestellt, und das nur nicht mitbekommen", antwortete ich ihm, und wollte mich wieder meinem Heft zuwenden.

Na ja, stimmt schon das es öfter mal vorkam, dass ich so sehr die Kontrolle verlor, so das 'mein Freund' dann für mich weitermachte – also kann man ja nie wissen. Keine Ahnung wie das funktioniert, geht leider nicht auf Befehl. Hätte ne Menge Vorteile, wenn ich das kontrollieren könnte...

Was man dann alles anstellen könnte, ohne das es weh tut, das hätte schon was.
Aber ich bin ja leider nur irre, noch nicht mal das kann ich.

"Ich musste meine Berichte für die Akten schreiben, und habe mir dabei deine Akte noch einmal genauer angesehen.
Ich glaube das mir dabei so einiges klar geworden ist, und wir sollten uns endlich mal die Zeit nehmen das aufzulösen. So kann das doch nicht immer weitergehen mit dir! Also, setzt dich jetzt mal zu mir und lass uns reden", fuhr Rolfie erbarmungslos fort, und klopfte dabei wieder ungeduldig neben sich auf das Bett.

Ich merkte das er keine Ruhe geben würde, egal was ich mir als Ausrede einfallen lasse – ich kannte ihn einfach zu gut. Obwohl mir nicht wohl dabei zumute war, erhob ich mich schleppend von meinem Stuhl, und ging betont gelangweilt auf das Bett zu. Rolfie hatte wieder diesen 'weichen' Gesichtausdruck drauf, als wenn er leiden würde – und nicht ich.

Dabei lief bei mir schon wieder die Panik im Kopf spazieren.
Was hatte er denn wohl da in der Akte gefunden, das er unbedingt mit mir darüber reden muss? Das konnte ja nur etwas von früher sein – vor seiner Zeit! Den ganzen anderen Scheiß, den ich so im Laufe der Zeit gebaut hatte, hatte er doch selbst miterlebt. Er war doch schließlich derjenige der mich dafür zusammenschiss – wenn zu herbe war.

Ich hatte mir seine Augen angesehen, als ich aufs Bett zuging.
Der wollte doch echt in meinen Kopf rumbohren, nicht 'spielen' – das erkannte ich gleich. Und dann merkte ich, wie die Abwehr und Starre von meinem Körper Besitz ergriffen. Ich ließ niemanden in meinen Kopf, gab zu viel zu verbergen und ging niemand was an, nur mein Problem. Ich war immer stark genug, konnte immer alles alleine – Scheiß auf euch alle.

Ich setzte mich aufs Bett, streckte die Beine weit von mir, und die Hände vergrub ich in die Taschen. Auf alles gefasst, wollte ich möglichst lässig auf ihn wirken.

"Was steht denn da so wichtiges drin, dass wir da unbedingt jetzt sofort drüber reden müssen", fragte ich ihn, mit einem gespielt belustigten Unterton in der Stimme, um ihm erst mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dabei starrte ich krampfhaft meine Füße an.
"Ich hätte doch auch erst meine Mathe fertig machen können, sonst komme ich heute gar nicht mehr raus".

Alles in mir ist auf Abwehr ausgerichtet.

"Ich will ganz offen mit dir reden, Jürgen.
Ich habe den Bericht über den Besuch deiner Pflegeeltern damals gelesen, und das was alles danach passiert ist. Leider hatte ich damals nicht genug Zeit, und den Vorfall auch schon wieder vergessen, aber ich finde wir sollten jetzt mal drüber reden. Ist ja immerhin lange genug her, so das du mir ja vielleicht beschreiben kannst, wie es dir dabei ergangen ist, warum das so schlimm für dich war – warum du dabei so abgedreht bist. Oder findest du das normal - deswegen tagelang zu verschwinden und dann in 'DEN' Kreisen aufgegriffen zu werden?".

Ich schwieg, machte mit den Zehen Gymnastik.
Ich fühlte wie seine Blicke bohrten, und diese Hitze in mir aufstieg - die immer vor Panikattacken in mir hochkam.

Scheiß Pflegeeltern – das Teufelspack!
Ich hatte das alles schon so schön in die hinterste Ecke gedrängt, fast schon vergessen, und da muss der wieder damit anfangen. Reichte es denn nicht, dass ich mich die letzte Zeit 'ordentlich' verhalten hatte? Muss denn immer irgendeiner versuchen in mir rumzustochern?
Oder ist er nur eifersüchtig - das ich bei dem Schwulen am Hauptbahnhof im Bett gelegen hatte, anstatt in seinem? Hatte ich doch gar nicht vor gehabt, hatte sich einfach so ergeben. Der hat sich einfach nur meiner angenommen, als ich da so hilflos rumirrte, voller Panik und Horror. Dabei weiß ich noch nicht mal mehr den Namen von dem Kerl – es hätte doch jeder Mensch sein können, Hauptsache weit genug weg von hier.

"Was weiß ich denn, hatte bestimmt schlechte Laune oder einen schlechten Tag damals", erwiderte ich, in der Hoffnung das er sich damit abspeisen lassen würde. "Können wir da nicht ein andermal drüber reden? Hat doch sowieso kein Zweck. Dazu müsste man ungestört sein, und das ist doch wohl kaum möglich, wenn einer von den Anderen gleich wieder reinkommt", versuchte ich meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Ich wollte nicht wieder über das Pack aus Glückstadt nachdenken, und erstrecht nicht DARAN denken! Ich merkte schon, wie mir wieder diese scheiß Tränen in die Augen stiegen – sich mir der Magen umdrehte – nur bei den Gedanken daran darüber zu reden.

Ich wollte nicht das er mich so sieht.
Ich wollte nichts mehr.
Nicht mehr da sein am besten!

Ich zog die Hände aus den Taschen, beugte mich vor, zog die Beine an die Brust und umschlang sie mit beiden Armen. Ich mauerte mich ein. Kämpfte gegen das Gefühl flüchten zu müssen an.

"Jürgen, es bringt dir nichts, wenn du jetzt zu machst. Du musst darüber reden, damit du es los wirst. Das hast du alles schon viel zu lange in dich reingefressen. Wenn du Angst hast, dass die Anderen dich so sehen können, dann können wir auch gerne auf mein Zimmer gehen - da reden. Aber glaube nicht, dass ich so einfach aufgebe, denn dafür bist du mir viel zu wichtig. Ich kann das einfach nicht mehr mit ansehen - wie du dich selbst Stück für Stück immer mehr kaputt machst".

Während er das zu mir sagte, zog er mich an seine Brust und streichelte mir über den Kopf.

Wärme, Geruch, Herzschlag – Schutz und Sicherheit.
Kein Mensch durfte mir je so nahe kommen, wie er es immer wieder einfach machte. Geborgenheit, das empfand ich immer in seiner Nähe. Die ganze Welt war dann ausgeblendet und konnte mir nichts mehr anhaben. Dann war ich einfach nur das wehrlose Kind, der Junge der ich sein wollte, aber nicht konnte.

Scheiße, jetzt waren die blöden Tränen gar nicht mehr aufzuhalten.
Und diese beschissenen Bilder, von den bekloppten Alten aus Glückstadt, standen plötzlich auch wieder vor meinen Augen. Wie sie auf mich einredeten, mich Vollquatschen wollten, von wegen - ich wäre doch ihr Kind, sie würden sich so freuen mich zu sehen, ich sollte doch bald wieder für immer nach Hause kommen - und so ein Scheiß!

Rolfie nestelte ein Taschentuch aus seiner Cordjacke, hielt es mir mit den Worten:
"Komm, wisch dir das Gesicht ab. Lass uns auf mein Zimmer reden gehen", hin.

Wie nach einem Rettungsring griff ich nach dem Taschentuch. So konnte ich wenigstens ein wenig Zeit schinden – Einen Ausweg suchen?

Stimmen waren zu hören, und die Tür vom Flur zum Gruppenraum wurde aufgemacht.
Panisch machte ich mich von Rolfie los, stürzte so schnell ich konnte auf meinen Stuhl am Tisch zurück. Wenn einer hier ins Schlafzimmer gekommen wäre, und uns so auf dem Bett gesehen hätte, wäre es um Rolfie geschehen gewesen. Die hätten doch gleich gedacht, dass er mich nur vögeln wollte, und dann wäre er 'weg vom Fenster' gewesen. Ich wollte ihn aber behalten. Er war immer gut zu mir, für mich da wenn ich ihn brauchte, hielt mich im Zaum – scheiß auf sein Schwulsein.

Das hatte er einfach nicht verdient.
Und erstrecht nicht meinetwegen – das hätte ich mir nie verziehen.

Ja – wir mussten wirklich mal miteinander reden, aber ich auch mit ihm.
Hatte er den immer noch nicht gemerkt, dass die Jagd auf ihn schon angeblasen war? Die lauerten doch nur noch auf einen Grund, um ihm den Hahn abzudrehen. Irgendeiner aus der Gruppe hatte sein Maul nicht gehalten - wegen dem Eincremen und der Höhensonne.

"Sei nicht sauer, aber wir können nicht SO zusammen gesehen werden, und erstrecht nicht auf deinem Zimmer", erklärte ich ihm, da er mich so verwundert anstarrte.
"Können wir uns nicht morgen nachmittag, weit weg von hier, an die Elbe verpissen und da reden – da kennt uns keiner und wir haben Ruhe dort?".

Nein – es viel mir zuerst gar nicht auf, dass ich ihn das erste Mal einfach so geduzt hatte.
Wir waren zwar oft zusammen unterwegs, sogar bei seinen Eltern war ich schon mit, aber immer war er Herr G. für mich - und immer habe ich 'Sie' gesagt. Doch in diesem Moment war er ein Verbündeter für mich, und nicht irgendeiner dieser Pausenclowns - die hier so rumliefen.

Die sich Erzieher und Pädagogen schimpften.
Die nur wollten das wir Kinder 'funktionierten', vor allem Problemen einfach die Augen zumachten. Die schneller zuschlugen, als sie denken konnten.
Die Verhaltensauffälligkeiten mit 'Ritalin' bekämpften, anstatt sich mal einen Kopf zu machen.

Ich weiß nicht was er dachte, aber es war für ihn wohl das Natürlichste der Welt, dass ich so mit ihm redete. Hieß es doch nichts anderes, als das er mich tatsächlich erreicht hatte, und ich gewillt war ihm mein Herz auszuschütten.

Das in etwa wird er wohl gedacht haben.
Er war sofort damit einverstanden. Wir machten für den nächsten Tag einen Treffpunkt außerhalb des Heimes aus, wo er mich mit seinem Auto einsammeln würde. Eine Vertretung für die Zeit würde sich schnell finden lassen. Es wurde gerne mal der Dienst getauscht bei uns. Und Rolfie war gerne am Wochenende bei uns Jungs im Heim, während andere Erzieher, von uns 'fertiggemacht', immer am liebsten nach Hause fahren wollten.




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