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Alle Namen von den Personen die auf den weitern Seiten vorkommen sind frei erfunden Jegliche Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig! Dies machen wir unfreiwillig und einzig aus rechtlichen Gründen. Aber alle geschilderten Begebenheiten haben so und nicht anderes stattgefunden.



Das normale Heimleben

Text zum Thema Kindheit, Institutionen


Vorwort:
Das 'nicht alles schlecht war' im Heim – wer weiß?
Das sollte jeder für sich selbst ausmachen. Es gibt einen großen Anteil an Ex-Heimkinder, die diesen Satz als Selbstschutz vor sich hinbeten, um so die Schrecken der Vergangenheit nicht an sich heranzulassen. Wer sich ein wenig im Internet sich schlau macht, der wird sehr schnell entdecken, dass es, gerade in den Zeiten bis Ende der70er Jahre, jede Menge Missbrauch, Misshandlung und Ausbeutung in vielen Kinderheimen gab. Ganz besonder in denen, die der Kirche unterstanden! Selbst in der DDR ging es nicht besser zu.

Wie es im AWO-Kinderheim Pinneberg lange Zeit zuging: Zeitung & Fernsehen

Aber egal, Heimkinder sind eben nur Menschen zweiter Klasse. Selbst heute haben Heimkinder immer noch mit solchen Vorurteilen zu kämpfen.

Für viele war allerdings auch, wie zum Beispiel für mich, das Kinderheim die Rettung vor noch schlimmeren Misshandlungen und seelischer Grausamkeit.



Bei uns im AWO-Kinderheim, allerdings nur für unsere Gruppe, war jedenfalls rückblickend nur wenig Schlechtes aufzutreiben. Sicher ging auch unseren Erziehern ab und zu der Hut hoch, und dann gab es eine gescheuert. Aber wenn man sich selbst gegenüber ehrlich bleibt, hatte man es doch teilweise sogar darauf angelegt gehabt.

Und das war nicht nur bei mir so der Fall.
Es gab Zeiten, da hatten wir sogar Wetten darauf abgeschlossen, ob wir es schaffen würden 'ne Ohrpfeife' bei dem neuen und 'anti-autoritären' Erzieher zu provozieren. Wenn man es aber gelernt hatte gewisse Spielregeln einzuhalten, waren die meisten Erwachsenen, mit denen man es so zu tun hatte, doch in einem gewissen Rahmen menschlich.

Wenn es zu dieser Zeit überhaupt noch größere Problem im Heimleben gab, dann doch in erster Linie, weil wir Kinder untereinander uns das Leben gegenseitig schwer machten. Kinder wie zum Beispiel 'Wittie', verhielten sich eben immer so wie es ihnen zuvor vorgelebt wurde. Da Wittie es nicht anders gelernt hatte, als das es richtig ist zu schlagen, wenn man nicht mehr weiter weiß, da konnte der eben auch nur genauso handeln. Tragisch war sein Verhalten allerdings für die kleineren und schwächeren Kinder, die es mit ihm zu tun hatten.

Wenn ein Kind – wie Wittie - über wenig Hirn und Mitgefühl, dafür aber über die körperliche Überlegenheit verfügt, kann es nur im Terror enden. Wittie war in unsere Gruppe im rechten Schlafzimmer reingekommen. Als Ältester war er da der Stubenboss. Er fühlte sich unschlagbar und absolut sicher. Er gehörte auch zu diesen Verbrechern um 'Goofy'. Er führte sich wie eine Sau auf. Ich will hier nicht so genau darauf eingehen, was er alles von den Schwächsten aus seinem Zimmer verlangte, aber das war schon eher eine Vergewaltigung, als sexuelle Nötigung. Wir restlichen Neun aus der Gruppe haben uns eines Tages zusammengetan, und ihm das heimgezahlt. So etwas ließen wir bei uns nicht durchgehen. Sicher gab in unserer Gruppe Paare die zusammen im Bett lagen, aber das war alleine deren Sache und vor allen Dingen freiwillig!

In welchem Heim, das reine Jungengruppen hatte, gab es so etwas nicht?
Eine Ballpumpe – so eine zum Fußball aufpumpen, mit dem langen Ventil vorne dran, und eine Dose Atta! Mehr – außer das so ein Ventil sich hervorragend dazu eignet in den Anus eingeführt zu werden - sage ich hier ohne meinen Anwalt nicht! Keine Ahnung was aus Wittie geworden ist, wir haben ihn nach dieser Geschichte, und dem Drumherum, nie wieder gesehen. Aus Erzählungen, also reines Hörensagen, weiß ich, dass er später Schlachter gelernt und dann irgendwann jemanden fachgerecht aufgeschlitzt haben soll.

Das Überlebensprinzip im Heim war überwiegend dadurch gekennzeichnet, dass sich die meisten Kinder an den stärksten der Gruppe anbiederten, und dessen willfähriges Werkzeug wurden. Ein blendendes Beispiel dafür war bei uns im Kinderheim 'Goofy'. Einer aus der Gruppe der großen Jungs unter uns. Goofy war nicht übermäßig stark, aber von einer hemmungslosen Brutalität die jeden einschüchterte. [Auch ich hatte eines Tages das Vergnügen von seiner brutalen Ader überrascht zu werden] Keiner wollte SO EINEN wie ihn gegen sich haben. So hatte Goofy sich einen Tross von Kindern, die sich ihm blind und gehorsam untergeordnet hatten, als Leibgarde zugelegt.

Am besten lässt sich das mit dem Bild der Mafia darstellen.
Er war der Pate und alle Anderen schuldeten ihm Schutz, Gehorsam und einen Anteil ihres Taschengeldes als Tribut. Und die Leute aus seinem Tross waren verrückt genug, um dieses perfide Spiel mitzumachen. Ohne diese Leute, wäre Goofy ein Nichts und eine Null im Heimleben gewesen. Die schlimmsten aus seiner Bande waren ‚Achim’ und der schon erwähnte ‚Wittie’.

So gingen wir Kinder also miteinander um.
Gott sei Dank war das die große Ausnahme und nicht die Regel.

Und was lag sonst noch an - in meinem Heimleben?
Wie schon mal gesagt, hatten wir Hühner, Gänse und Schweine bei uns im Stall stehen und herumlaufen. War ja eigentlich noch ein ganz normaler Vorgang zu der Zeit - diese Hausschlachtungen. Aber der eine Angestellte machte sich immer ein besonderes Vergnügen daraus, wenn mal wieder eine Schlachtung ins Haus stand. Hühner und Gänse waren sein Fachgebiet, da war er einfach nicht zu übertreffen.

Wir Kinder waren na klar immer dabei, wenn geschlachtet wurde.
Na gut, später nur noch wenige, da viele das nicht so richtig abkonnten. Also, besagter Kerl packte die Hühner an den Beinen, legte Kopf und Hals auf den Hauklotz, und hackte den Viechern mit einer Axt fachgerecht den Kopf ab.

So weit so gut.
Aber dann schmiss er das Vieh hoch in die Luft, und es flatterte durch die Gegend, als wenn nichts passiert wäre. Ohne Kopf, und das Blut spritzte aus dem Hals nur so raus! Nach der Landung rannte das kopflose Huhn dann noch eine Weile durch die Gegend, bis es endlich umfiel und still lag. Gern nahm er auch die abgehackten Beine, und fasste mit spitzen Fingern die Sehnen die da rumhingen. Wenn er dann daran zog, fingen die Krallen der Hühnerfüße an sich zu bewegen. Damit konnte man besonders gut die Mädchen erschrecken. Die machten sich dann immer so schön schreiend aus dem Staub.

Weniger angenehm war es, wenn der Schlachter zu uns ins Heim kam.
Dann standen wieder die armen Schweine auf dem Schlachtplan. Das war schon ganz schön brutal anzusehen. Das Geschrei der Schweine und der Gestank beim Schlachten waren unerträglich. Zuerst wurden die armen Viecher mit einer riesigen Vollgummikeule betäubt. Dann wurden ihnen bei lebendigen Leib die Halsschlagadern aufgesäbelt, um sie so ausbluten zu lassen. Das Blut wurde sauber in Schüsseln aufgefangen, damit man es später für die Blutwurst oder Schwarzsauer benutzen konnte. Wenn kein Blut mehr floss, wurden das Schwein auf eine Leiter gespannt, und der Länge nach aufgesäbelt. Die Innereien quollen nur so aus dem Bauch heraus, so wie uns das mal Kapitän Ahab von seinen Verwundeten im Krieg beschrieben hatte.

Keine weitern Einzelheiten bitte!
Aber es sollte zu mindestens noch erwähnt werden, das die Därme fein säuberlich von Hand leergedrückt und danach ausgespült wurden, da es damals die Wurst noch in Naturpelle, sprich dem Darm, gab.

Und dieser Geruch der über dem Ganzen schwebte...
...den ich nur zu gut kannte.

Egal - die Zeiten hatten angefangen sich zu ändern.
Und so hatten wir auch viel Spaß, bei uns im AWO-Kinderheim Pinneberg. Wir schlichen uns auch gern mal in den Hühnerstall und klauten dort die Eier, um uns dann, mit einer gehörigen Portion Zucker, Eischnee selber zu machen. Oder das kochendheiße Wasser, das im Waschraum aus den Wasserhähnen kam, wenn der Heizer wieder besoffen war und zuviel Koks aufs Feuer geschmissen hatte. Damit konnten wir uns 'Bratäpfel' machen, so heiß war das Wasser dann. Die Äpfel waren in kürzester Zeit gar gekocht, und brauchten dann nur kurz über einem Feuer den typischen Rauchgeschmack annehmen – Lecker! Nein – ernsthaft verbrüht hatte sich komischerweise nie ein Kind an dem Wasser, aber das war wohl nur besonderes Glück gewesen.

Oder mein Turm – der oben auf dem Dach war.

Der Turm war echt geil.
Ich war na klar mal da drin gewesen. In Dittrich bauen war ich inzwischen ein Meister geworden. Verdammt dunkel da drin. Aber oben im Dach gab es eine Horde Fledermäuse, die Abends auf dem Hof ihre Runden drehten.

Und viele dicke Bücher. Lauter Tabellen mit Namen darin.

Und Karteien mit Bilder.
Gruselige Gestallten!
Irre eben - Alles aus den 30er/40er Jahren.

Na, was für eine Entdeckung.
Der 'Stall' in dem wir lebten, war schon immer für Bekloppte vorgesehen. War in der 'guten alten Nazizeit' eine Klapsmühle gewesen. So richtig mit Ärzten die an ihnen forschen und experimentieren durften. Und immer schön Buch darüber führen - 'typisch Deutsch'.

Und das alles lag dick eingestaubt hier herum - gruselig.
Besonders die Spalte 'Abgänge'. Selten stand mal entlassen dort. Aber oft einfach nur ein Kreuz. Nein kein X, nicht so ein Kreuz.
So eins wie man das von der Kirche kennt. Das Zeichen für verreckt eben – alles klar?

Das mit den Fledermäusen war auch so ne nette Geschichte.
Kinder kann man eben gut verarschen. Wir sprachen mit Rolfie über die Fledermäuse, als wir die irgendwann endlich mal bemerkt hatten. Der erzählte uns viel über die Fledermäuse, und auch wie man die ‚ganz leicht’ fangen kann.

Ach, was waren wir damals schön bescheuert! Eigentlich ist das Leben viel schöner, wenn man naiv und dumm durch die Gegend rennt, anstatt alles zu hinterfragen!

Also : Wie fange ich eine Fledermaus?
Man nehme ein Knäuel Wolle, werfe es hoch in die Luft, wenn die Fledermäuse fliegen. Die Fledermaus nimmt die Bewegung wahr, stürzt sich auf die vermeintliche Beute. So eine Fledermaus lässt eine einmal gemachte Beute nicht wieder los. Dann braucht man nur noch den Faden mit dem Knäuel ganz schnell an sich ranziehen, und die Fledermaus hat verloren. JA – wir waren so dumm und haben das probiert, tagelang sogar. Und Rolfie stand am Fenster und grinste sich einen. Der Sack hatte ja auch so eine ruhige Zeit mit uns.

Die Kinderheime wandelten sich langsam von reinen Aufbewahrungsanstalten zu Stätten an denen pädagogisch ausgebildete Erzieher sich mit den Kindern befassten. Durch die neumodischen Erziehungsvorgaben - 'Anti-Autoritär', der neue Begriff der durch das Heim geisterte - durften wir auch endlich ganz offiziell das Heimgelände tagsüber verlassen.

Alleine und ohne Aufsicht in die Stadt und das Taschengeld in der Eisdiele verprassen.
Am See baden, angeln oder einfach nur rumhängen. Radtouren in den Klövensteen - ein Wald mit Trimmpfad. Querfeldein Rallyes mit den Fahrädern machen. Die Autobahnbaustelle heimsuchen und dort Mutproben bestehen. Die Schrebergärten plündern.

Eben alles das was normale Kinder so anstellen, wenn man sie endlich 'frei lässt'.

In unserer Dunkelkammer, im Pavillon auf dem Hof, Bilder entwickeln und vergrößern, bis der Pavillon dann eines Tages abgefackelt wurde. War an einem besonders heißen Sommerabend – da passiert das Drama. Irgendwelche Idioten hatten im Pavillon geraucht, und die Kippen nicht richtig ausgemacht. Da ziemlich viel Papier - Akten so ein Zeug - da lagerte, war nicht mehr viel zu retten. Bevor die Feuerwehr eingetroffen war, stand alles meterhoch in Flammen. Die konnten sich nur noch darum bemühen zu verhindern, dass dieses riesige Feuer auf unser Wohnhaus und die Stallgebäude übersprang.

Die Dunkelkammer, inklusive viele meiner Negative und Bilder, sowie alle Geräte - Ade.

Irgendwelche wichtigen Leute von der Stadt kamen und kontrollierten das Heimgelände.
Wenig später wurden alle Tiere die wir noch hatten auf einmal abgeholt und geschlachtet. Jetzt gab es nur noch die Katzen vom Nachbarn, und den Hund vom Heimleiter. Aus, mit der Sonderration Eischnee und den Frühstückseiern aus eigener Haltung am Sonntag.

Der Neubau für das AWO-Heim, an der anderen Ecke von Pinneberg, war inzwischen fast fertig geworden. Bald würden wir dahin umziehen. Ich komme dann dort bald in die Lehrlingsgruppe. Auf Anraten von Rolfie habe ich, nach einem freiwilligen Praktikum in einer Tischlerei, eine Lehrstelle als Tischler angenommen. Egal – ich wusste eh nicht was ich sonst hätte werden sollen. Nur damit ich nicht so einen weiten Weg zur Arbeit hatte, machte ich ausgerechnet bei diesem Meister die Lehre.

Das war mein nächster, und wahrscheinlich auch größter Fehler - in meinem Leben.




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