Informationen über sexuellen Missbrauch & Misshandlung
     

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Signale und Hinweise
Thema: sexueller Missbrauch

 aus dem Kapitel » sexueller Missbrauch «

Vorwort:
körperliche Anzeichen und Verletzungen wie:
- Striemen,
- Bisswunden,
- Blutergüsse,
- Verletzungen im Analbereich [speziel Jungen]
- Verletzungen im Genitalbereich [speziel Mädchen]
usw. fehlen oft, so wie sich häufig auch im psychischen Bereich keine eindeutigen Merkmale für den sexuellen Missbrauch 'auf den ersten Blick' finden lassen.

Eine Studie zeigte, dass bei zwei Drittel der Kindern, bei denen der Verdacht auf erlebten sexuellen Missbrauch bestand sich keine körperlichen Verletzungen erheben lassen.

Welche Möglichkeiten haben wir also?
Welche Signale und Hinweise bedürfen unserer besonderen Beachtung?

Grundsätzlich unterscheidet man grob zwei Gruppen von Anzeichen / Signale

1. sprachliche Signale:
Ein Kind macht Andeutungen gegenüber einer Person, zu der es großes Vertrauen hat, wie zB. bei der Mutter, Verwandtschaft, LehrerIn.
Oft sind diese Andeutungen jedoch recht zaghaft, da das Kind sich selbst nicht sicher ist, was da mit ihm passiert ist. Die Kinder haben natürlich auch oft Schwierigkeiten in der Formulierung, wenn sie über das Erlebte sprechen wollen. In der Folge hängt es dann von der Vertrauensperson ab, ob der Missbrauch aufgedeckt wird bzw. beendet werden kann.

2. verhaltensauffällige Signale:
Sollte das Kind bei dem Versuch, sich Gehör für das Problem zu schaffen scheitern, wird es Signale setzen, die auf den Missbrauch aufmerksam machen sollen. Solche Signale sind VerhaltensÄnderungen und VerhaltensWeisen, die den Menschen in der Umgebung meistens auch auffallen.[sollten] Dies ist nun jener Punkt, wo die Verantwortlichkeit aller derer einsetzt: Eltern, Verwandte, Bekannte, KindergärtnerInnen, LehrerInnen, SozialarbeiterInnen etc.
die mit dem Kind zu tun haben.

die am häufigsten beobachtete Signale sind:
- Schulschwierigkeiten
- Erzählungen von unwahrscheinlichen Geschichten über zu Hause
- Selbstzerstörung wie 'ritzen, hungern'
- sich hässlich machen
- Selbstmordversuche
- Bettnässen
- Waschzwang
- den Körper nicht herzeigen wollen
- Ausreißen von zu Hause
- Essprobleme [Magersucht, Bulimie [Ess Brech Sucht]

Symbolischer Ausdruck des Missbrauchsgeschehens
und gesprochene Andeutungen sind unter anderem:


- Auffälliges Angezogensein durch Schmutz, Matsch und Kleister,
- Wiederholte Fragen, obwohl es längst aufgeklärt wurde und Antworten erhalten hat,
- es spielt MissbrauchsHandlungen mit Puppen in Rollenspielen nach,
- es zerstört und zerfetzt eine Puppe im Geschlechtsbereich,
- es stottert/stammelt, wenn es etwas von sich/seinen Gefühlen erzählt,
- es malt nackte Menschen, erzählt, dass es einen Pornofilm gesehen hat,
- es erzählt, dass sein Papa im Kinderzimmer schläft,
- er erzählt, dass beim Opa Milch aus dem Penis fließt,
- es erzählt, dass sein Papa nachts ins Bett macht,
- es erzählt, dass ein Geist kommt, ihm die Bettdecke wegnimmt und anfasst,
- es begeht die Flucht in eine Phantasiewelt,
- es hat eine besondere, unnatürliche Stellung in der Familie inne

Der Missbrauch von Kindern ist [unter anderem] deshalb so schlimm, da die unmittelbare Folgen des sexuellen Missbrauchs die geistige Entwicklung und das kindlichen Wissens über Sexualität betreffen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass weniger als 5% der befragten Kinder zwischen 2 bis 6 Jahren die Geschlechtsorgane angemessen bezeichnen können. 90% der Kinder hatten überhaupt kein Wissen über den Geschlechtsakt von Erwachsenen. Es kann daher für die Diagnose des sexuellen Missbrauchs relevant sein, wenn Kinder unter 6 Jahren über ein solches Wissen verfügen.

Doch Vorsicht!

Es muss nicht zwingend bedeuten, dass Kinder ihr Wissen durch selbsterlebtem sexuellen Missbrauch erworben haben! Übervorsichtige Menschem bzw. voreilige und falsche Rückschlüsse können mehr Schaden anrichten, als verhindern.

Selbst das Spielverhalten von missbrauchten und nicht missbrauchten Kindern
- beim Spielen mit anatomisch korrekten Puppen -
unterscheidet sich nicht so eindeutig, wie man oft meinen könnte. Gewisse Verhaltensweisen können sowohl bei missbrauchten, als auch bei nicht missbrauchten Kindern vorkommen.

Es kann daher bei solchem entsprechenden Spielverhalten nicht eindeutig auf einen sexuellen Missbrauch geschlossen werden. Ferner lassen auch nicht alle missbrauchten Kinder den Missbrauch in ihren Zeichnungen erkennen. Es kommt oft vor, dass auch nicht missbrauchte Kinder Genitalien zeichnen.
Das diagnostische Mittel der Kinderzeichnungen ist keineswegs eindeutig!

Ein spontaner Bericht eines Kindes ist
einer der zuverlässigsten Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch.


Bei jüngeren Kindern ist der Bericht oft nicht sehr detailliert, aber dennoch sehr verlässlich. Ältere Kinder allerdings verschweigen oft aus Scham oder Furcht den sexuellen Missbrauch.

Missbrauchte Kinder zeigen oftmals eine wesentlich höhere Symptombelastung in den Bereichen:
- Angst,
- Depression,
- Aggression,
- Einsamkeit,
- Minderwertigkeitsgefühle,
- Unfähigkeit zu vertrauen,
- sexualisiertes Verhalten,
- homosexuelle Tendenzen,
- internalisierendem Verhalten [in sich zurück gezogen]
- externalisierendem Verhalten [nach aussen gerichtet]
- Suizidgefährdung

Die Symptombelastung nimmt [manchmal] mit der zeitlichen Distanz zum sexuellen Missbrauch ab, während die Aggressionen und/oder das sexualisierte Verhalten hingegen immern gravierender werden.[kann]

Die jeweiligen Verhaltenssymptome sind [häufig] altersabhängig:


Bei missbrauchten Kindern zwischen 0 und 6 Jahren
Ängste, Albträume, Regressionen, internalisierendes und sexualisiertes Verhalten.

Missbrauchte Kinder zwischen 7 und 12 Jahren
Ängste, Albträume, Schulprobleme, unreifes, hyperaktives oder auch aggressives Verhalten.

Im Alter zwischen 13 und 18 Jahren
Depressionen, sozialem Rückzug, Weglaufen, Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch, Suizidneigung



Anmerkung:
Bei manchen - in der Kindheit Missbrauchten - ist keine Erinnerung als solche vorhanden, oder es ist diese nur teilweise abrufbar, etwa als somatische Erinnerungen an das Trauma. Dies kann zu aktuellen Empfindungen wie Angst, Furcht, Ärger und Lust führen.

Ein Beispiel:
Ein Psychater berichtet, dass bei einer Patientin ein bestimmter Geruch im Büro immer Angst auslöste. Im Laufe der Therapie assoziiert sie damit Alkohol und später auch männlichen Samen. Sehr viel später erinnert sie sich, von ihrem betrunkenen Vater Missbraucht worden zu sein, der eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Chef hatte.


Hilfestellung für die 'erste Hilfe'


Bei einem Trauma
darf die Betonung nicht ausschließlich auf der äußeren Realität liegen, sondern es müssen immer das psychische Erleben und die Phantasien berücksichtigt werden. Gerade bei diesen Gesichtspunkten stoßen wir allerdings [in empirischen Untersuchungen] an Grenzen.
Ein wichtiger Faktor für die Bewältigung des Missbrauchs, ist eine liebevolle und unterstützende Familie und/oder professionelle HelferInnen. Eine Bewältigung gelingt besser, wenn sich das Opfer keine Mitschuld an dem Missbrauch gibt, sondern die Verantwortung ausschließlich dem Täter zuschreibt.

Sollten noch ambivalente Gefühle im Spiel sein, ist die Verarbeitung allerdings ungemein erschwert.

Die wichtigsten Hilfen für das Kind sind:
- die Schuldgefühle zu bearbeiten,
- glaubhaft zu machen, dass es keine Schuld am Missbrauch hat,
- es den Missbrauch nicht verhindern hätte können,
- es verständlich ist, warum es so lange geschwiegen hat,
- es [zB] für die Auflösung der Familie nicht verantwortlich ist.


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