Willkommen, am 19.05.2012, 19.29 Uhr | Stand der Seite: 07.12.2011, 14.22 Uhr | zum Text
[psychogenes Schweigen]
Vorwort:
Das Schweigen, in seiner Bedeutung des 'Unter Verschluß Halten' von Gefühlen, ist hinlänglich bekannt.
Mutismus - als Strategie der Bewältigung / ProblemLösung - aber weniger!
Trotz erwartungsgemäß hoher Dunkelziffer ist Mutismus, als Folge des Missbrauchs, eher ein selteneres Phänomen.
Absatz: allgemeine Infos
Absatz: als Folge von Missbrauch / Misshandlung
Mutismus lässt sich:
im Zusammenhang mit der Auflistung möglicher Symptome und FolgeErscheinungen, auch beim sexuellen Missbrauch von Kindern wiederfinden.
Dabei fällt allerdings auf, dass es sich um ein weitestgehend unbekanntes ErscheinungsBild handelt.
Die Verbindung, gerade zum sexuellem Missbrauch, ist meistens nicht näher begründet. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Kenntnisstand zu Therapie und BehandlungsMöglichkeiten.
Die Tatsache, dass Mutismus relativ selten auftritt, wobei aber mit einer hohen diagnostischen Dunkelziffer gerechnet werden muss, scheint eine leichtfertige Begründung dafür zu liefern, dieses Gebiet zu vernachlässigen.
Die Typologie dieses Schweigens kann in:
- Schweigen Wollen,
- Nicht Reden Dürfen,
- Nicht Reden Können,
- als Ausdruck der Zweck- und Hoffnugslosigkeit, [in bezug auf Reden]
eingeteilt werden.
Das [ver]Schweigen von/über:
- KindesMisshandlung,
- Inzest,
- Vergewaltigung in der Ehe
- sexueller Missbrauch in Kirchen, Kindergärten, Schulen und Vereinen usw.
Diese Liste 'falscher Schweigegebote' könnte [fast] endlos fortgesetzt werden!
Viele werden sich [auch ohne Missbrauch] in Schweigen hüllen, Ihnen werden 'die richtigen' Worte fehlen, und es bleibt ihnen der Kloß im Halse stecken, sobald sie etwas 'Unangenehmes' zur Sprache bringen müssen.
Ein sensibler Umgang mit Sprache muss ein wesentlicher Bestandteil der ElternBildung sein.
Kindern muss glaubwürdig vermittelt werden, dass sie sich lautstark wehren müssen, und vor allem dürfen!
Bei Betroffenen vom sexuellen Missbrauch ist das Innenleben zwangsläufig aus dem Gleichgewicht gebracht.
Infolge dessen lässt sich eine Vielzahl verschiedener Verhaltens-Merkmale beobachten.
Mit einem sexuellen Missbrauch werden Gefühle wie:
- Angst,
- Ekel,
- Überreizung,
- Hilflosigkeit,
- Beschmutzung,
- Scham und Schuld
ausgelöst, und Betroffene erleben einen Vertrauensbruch.
So ist es nur allzu einleuchtend, dass Betroffene individuelle Signale aussenden, die es nur richtig zu verstehen gilt. In jenem Punkt scheint eben jedoch die Schwierigkeit zu liegen!
Betroffene befinden sich, besonders wenn der Täter ein nahes und geliebtes Familienmitglied ist, teilweise in einer Zerrissenheit zwischen Angst und Scham / Liebe und Zuneigung zu dem Missbraucher. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ein geliebter Mensch ihnen derartiges antut.
Dieses gänzliche Unverständnis führt auch dazu, dass sich für das Erlebte einfach keine Worte finden lassen, geschweige denn der Mut, diese auszusprechen.
Aus dieser situativen Überforderung heraus, entsteht eine regelrechte Sprachlosigkeit.
Aus einer solchen stummen Verzweiflung heraus wird wohl eher selten ein verbaler Hilferuf erfolgen.
Vielmehr ist man hier auf die Deutung anderer Anhaltspunkte angewiesen, die z.B. im Bereich der Körpersprache auftreten können.
Eben jene Verhaltensweisen werden jedoch häufig übersehen, nicht ernst genommen, oder im Extremfall sogar als bloße Unhöflichkeit und Ungezogenheit aufgefasst und dementsprechend bestraft.
Eine weitere, vielleicht tragischere Form des erfolglosen 'Auf sich Aufmerksam Machen'
Einige missbrauchte Betroffene bringen, allen bisher genannten hemmenden Faktoren zum Trotz, den Mut auf über das Erlebte zu sprechen, oder es zumindest anzudeuten.
Leider machen diese Betroffenen die Erfahrung:
[von denen zirka 70% die keinerlei Unterstützung erhalten]
- dass ihre Hinweise entweder schlicht überhört
- nicht ernst genommen,
- das ihnen nicht geglaubt wird.
Für Betroffene besteht fast immer die Ungewissheit, ob sie sich nicht vielleicht täuschen.
Dadurch werden Zweifel an der eigenen Wahrnehmung nur noch verstärkt.
- Der Missbrauch dauert an,
- die Scham über das vermeintlich eigene ’Mittun’ wächst,
- gezielte Drohungen der Täter bestätigen sich.[Dir glaubt sowieso niemand]
- die eigene Widerstandskraft zerbricht,
Indem Signale übergangen, nicht geglaubt, oder sogar negativ bewertet werden, werden die Betroffenen tiefer in ihre 'innere Emigration' gedrängt.
Somit wird auch hier, bis auf wenige Ausnahmen, das StillSchweigen letztendliche die Folge sein!
Schäden entstehen für Betroffene sowohl auf:
- physischer,
- psychischer, und
- sozialer Ebene.
Sie reichen von SchlafStörungen, KonzentrationsStörungen über Phobien und Psychosen - bis hin zu Suizidalität.
Einige der Erscheinungen stehen inhaltlich mit dem Mutismus in engerem Zusammenhang, und werden aus diesem Grunde eingehender berücksichtigt.
In sozialer Hinsicht ist zunächst der Komplex der Schwierigkeiten mit Beziehungen zu nennen, welcher unter anderem:
- Verschlossenheit,
- Einzelgängertum,
- Fremdeln,
- Berührungsängste und
- übersteigertes Misstrauen
umfasst.
Da der sexuelle Missbrauch gerade auch einen VertrauensMissbrauch darstellt, ist letzteres besonders einleuchtend, und spielt auch hinsichtlich des 'Sich Niemandem Anvertrauen Können' noch während des Missbrauches eine entscheidende Rolle.
Ursächlich ist - die mit dem Missbrauch erworbene Grundeinstellung:
Nähe und Vertrauen = Gefahr.
Der Bereich der PersönlichkeitsStörungen, auf psychischer Ebene, ist erschütternd umfangreich.
Explizit erwähnt seien jedoch vor allem Ängste und Psychosen, aber auch die Möglichkeit der erhöhten Wut und Aggression - verbunden mit extremen Machtstreben.
Bei allen Aspekten lässt sich eine Duplizität zu den VerhaltensAuffälligkeiten bei Mutisten finden, welche auf einen gemeinsamen Auslöser hindeuten könnte.
Nun ist noch der physische, oder wohl zutreffender, der psychosomatische Bereich zu nennen, in dem vor allem die häufig beobachteten verschiedenen SprachStörungen auffallen.
So, wie behinderte Betroffene in Bezug auf sexuellen Missbrauch besonders gefährdet sind, so ist es auch umgekehrt möglich, dass sexueller Missbrauch eine Behinderung verursacht.
Das Resultat einer SprachBehinderung lässt sich auf verschiedene Weise erklären.
Zum einem besteht eine enge Verbindung zu EntwicklungsStörungen.
Vor allem bei sehr kleinen Kindern ist der Missbrauch häufig oral und fällt zeitlich mit der HirnReifung und SprachEntwicklung zusammen.
So kann ein derartiges Erlebnis nicht nur zu Auffälligkeiten im Mundbereich, wie Rötungen oder Starrheit, sondern auch zu Störungen auf der LautEbene [Artikulations Störungen], sowie zu Beeinträchtigungen des SprachErwerbs und der Kommunikation führen.
Ein weiterer, sich auf die SprachEntwicklung negativ auswirkender Faktor, ist der bereits mehrfach angesprochene GeheimhaltungsDruck.
Mit dem SchweigeGebot wird dem Betroffenen die Möglichkeit genommen, das Geschehene zu versprachlichen, durchzuarbeiten und zu integrieren.
Statt dessen wird verleugnet, uminterpretiert, verdrängt oder abspalten.
Schamgefühl, Angst, oder auch sprachliches Unvermögen, können zur Folge haben, dass Betroffene aufgrund des SpannungsVerhältnis, zwischen 'Sagen Wollen' und 'Nicht Sagen Können / Dürfen', eine SprechBlockade entwickeln.
Worte werden in ihrer potentiellen Gefahr erkannt und umgangen,
was wiederum eine gesamtsprachliche Beeinträchtigung nach sich zieht.
Das Schweigens gliedern sich, analog zur Sprache, in die:
- syntaktische,
- semantische
- pragmatische
Funktion.
Ein 'Nicht Aussprechen' steht für das innere Abschließen von Gedanken und Emotionen mit dem Ziel, diese somit auch für sich selbst weniger bewusst zu halten und zu verleugnen.
Es gibt bei Mutisten auch eine ErscheinungsForm,
die durch besondere Feindseligkeit und Aggression gekennzeichnet ist. Verbunden damit ist eine tiefergehende, und auch den anderen mutistischen Ausprägungen innewohnende, WillensAusrichtung.
Hier kann es als ein Zeichen für ein besorgniserregendes MachtBedürfnis angesehen werden.
Mutismus kann also auch als ein KompensationsVersuch angesehen werden, und es sollte untersucht werden, ob es eine Reaktion auf erfahrene 'Selbst Wert Minderung' ist, denn bei sexuellem Missbrauch wird der Selbstwert, nicht nur wegen der Unterlegenheit, ganz entschieden verletzt.
Das hiermit hervorgerufene MinderWertigkeitsGefühl strebt nach einem Ausgleich, was durch ÜberKompensation [MachtStreben] bzw. als De-Kompensation [emotional/sozialer Rückzug] ausgedrückt wird.
Dieses Macht und KontrollBedürfnis ist symptomatisch für Mutisten, und in Anbetracht eines möglichen sexuellen Missbrauchs wohl auch kaum verwunderlich.
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