Informationen über sexuellen Missbrauch & Misshandlung
     

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Mutismus [psychogenes Schweigen]
Thema: sexueller Missbrauch

 aus dem Kapitel » Auswirkungen und Erkrankungen «

[psychogenes Schweigen]

Vorwort:
Das Schweigen, in seiner Bedeutung des 'Unter Verschluß Halten' von Gefühlen, ist hinlänglich bekannt. Mutismus - als Strategie der Bewältigung / ProblemLösung - aber weniger! Trotz erwartungsgemäß hoher Dunkelziffer ist Mutismus, als Folge des Missbrauchs, eher ein selteneres Phänomen.


Absatz: allgemeine Infos
Absatz: als Folge von Missbrauch / Misshandlung



Mutismus - allgemeine Infos



Mutismus lässt sich:
im Zusammenhang mit der Auflistung möglicher Symptome und FolgeErscheinungen, auch beim sexuellen Missbrauch von Kindern wiederfinden. Dabei fällt allerdings auf, dass es sich um ein weitestgehend unbekanntes ErscheinungsBild handelt. Die Verbindung, gerade zum sexuellem Missbrauch, ist meistens nicht näher begründet. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Kenntnisstand zu Therapie und BehandlungsMöglichkeiten.

Die Tatsache, dass Mutismus relativ selten auftritt, wobei aber mit einer hohen diagnostischen Dunkelziffer gerechnet werden muss, scheint eine leichtfertige Begründung dafür zu liefern, dieses Gebiet zu vernachlässigen.

Die Typologie dieses Schweigens kann in:
- Schweigen Wollen,
- Nicht Reden Dürfen,
- Nicht Reden Können,
- als Ausdruck der Zweck- und Hoffnugslosigkeit, [in bezug auf Reden]
eingeteilt werden.


  1. 'Schweigen Wollen' ist NICHT! ein freiwilliges Schweigen,
    so wie es im Zusammenhang mit sexuellen Missbrauch erscheinen mag. In Verbindung mit dem Missbrauch, und des damit einhergehenden VertrauensMissbrauchs, mündet das Verhalten Betroffener in sozialen Rückzug. Dieser kann sich auch auf sprachlicher Ebene ausdrücken, indem keine kommunikative 'Du' Beziehung mehr angestrebt wird.

    Alles Erfasste bindet sich auch zwangsläufig an das Bewusstsein. Dies kann eine Begründung dafür liefern, dass Betroffene - gerade vor dieser Versprachlichung - zurückschrecken.

  2. Nicht Reden Dürfen:
    Der GeheimhaltungsDruck muss hier explizit angesprochen werden!

    Im Rahmen von Missbrauch bekommt er eine außerordentlich hohe Bedeutung. Das Schweigegebot, und somit auch die Angst vor Sanktionen bei NichtEinhaltung, kann zu einem passiven Vermeidungsverhalten führen. Im Extrem verinnerlichen Betroffene, dass [falsche] Worte = Gefahr sind. Sie versuchen dieser Gefahr zu entgehen, und flüchtet sich in den Mutismus.

  3. Nicht Reden Können:
    Das Unwissen Betroffener verdeutlicht, wie schwer [teilweise unmöglich] es Betroffenen ist, für erlebten Missbrauch passende Worte zu finden.
    Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos über die sexuelle Ausbeutung.
    Sie fühlen sich der Sprache gegenüber hilflos, der Worte [um es zu beschreiben] nicht mächtig.
    Dies kann [in gesteigerter Form] zu einer umfassenden SprechBlockade führen.

  4. Ausdruck der Zwecklosigkeit:
    Die Funktion, die Sprache dargestellt, liegt auch darin eine gewisse soziale Kontrolle auszuüben.
    Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle werden verbal mitgeteilt, um die Gemeinschaft zu beeinflussen und, seinen Vorstellungen gemäß, steuern zu können.

    Sprechen Betroffene jedoch über ihren erlebten Missbrauch,
    - so wird ihnen nur selten geglaubt,
    - ihre Aussagen [fast immer] ignoriert,
    - oder sie stehen als Lügner da.

    Sie machen nur zu häufig die Erfahrung, dass ihre RedeIntention verfehlt wird, indem sie überhört oder für unglaubwürdig befunden werden.

    Das Mittel 'Sprache':
    - entbehrt [in ihren Augen] somit jegliche Funktion,
    - es kommt zur Resignation
    - dem Schweigen,
    als das Ergebnis dieser erkannten Einflusslosigkeit.

Wenn Hinweise und Worte ungehört verhallen,
wen wundert es da noch, dass Betroffene sich mit 'ihrem Geheimnis' zurückziehen - ihre Sprache verlieren?

Wer kennt sie nicht, 'die Mauern des Schweigens',
die uns auf gesellschaftlicher Ebene durch falsche Scham und falsche Vorbilder aufgezwungen [anerzogen] werden?

Beispiele:


Das [ver]Schweigen von/über:
- KindesMisshandlung,
- Inzest,
- Vergewaltigung in der Ehe
- sexueller Missbrauch in Kirchen, Kindergärten, Schulen und Vereinen usw.

Diese Liste 'falscher Schweigegebote' könnte [fast] endlos fortgesetzt werden!


Vorbeugen ist möglich!


Die Sprache ist das Mittel von Prävention, denn:
- Aufklärungs-Gespräche,
- 'Nein Sagen Dürfen',
- Abbau 'fascher Scham', usw.
können vor Missbrauch schützen!

Doch Kindern wird oft nicht mit einer ausgewogenen sprachlichen Beständigkeit begegnet.

Allzu oft heißt es [in unangemessener Weise]:
- das sagt man nicht,
- bei Tisch spricht man nicht,
- ich will nichts mehr hören,
- rede nicht so viel, [laut, nicht jetzt]
- rede keinen Unsinn - usw.

Kinder, denen häufig [für sie nicht nachvollziehbar] der Mund verboten wird, werden Sprache wohl als etwas eingeschränktes, und vor allem von Erwachsenen bestimmtes erleben.

Im Extrem könnte das Vertrauen in Sprache schwinden,
und somit erstrecht der Mut etwas zu erzählen!


Viele werden sich [auch ohne Missbrauch] in Schweigen hüllen, Ihnen werden 'die richtigen' Worte fehlen, und es bleibt ihnen der Kloß im Halse stecken, sobald sie etwas 'Unangenehmes' zur Sprache bringen müssen.

Ein sensibler Umgang mit Sprache muss ein wesentlicher Bestandteil der ElternBildung sein.

Kindern muss glaubwürdig vermittelt werden, dass sie sich lautstark wehren müssen, und vor allem dürfen!


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Mutismus - als Folge von Missbrauch / Misshandlung


Bei Betroffenen vom sexuellen Missbrauch ist das Innenleben zwangsläufig aus dem Gleichgewicht gebracht. Infolge dessen lässt sich eine Vielzahl verschiedener Verhaltens-Merkmale beobachten.

Mit einem sexuellen Missbrauch werden Gefühle wie:
- Angst,
- Ekel,
- Überreizung,
- Hilflosigkeit,
- Beschmutzung,
- Scham und Schuld
ausgelöst, und Betroffene erleben einen Vertrauensbruch.

So ist es nur allzu einleuchtend, dass Betroffene individuelle Signale aussenden, die es nur richtig zu verstehen gilt. In jenem Punkt scheint eben jedoch die Schwierigkeit zu liegen!

Betroffene befinden sich, besonders wenn der Täter ein nahes und geliebtes Familienmitglied ist, teilweise in einer Zerrissenheit zwischen Angst und Scham / Liebe und Zuneigung zu dem Missbraucher. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ein geliebter Mensch ihnen derartiges antut.

Dieses gänzliche Unverständnis führt auch dazu, dass sich für das Erlebte einfach keine Worte finden lassen, geschweige denn der Mut, diese auszusprechen.

Aus dieser situativen Überforderung heraus, entsteht eine regelrechte Sprachlosigkeit. Aus einer solchen stummen Verzweiflung heraus wird wohl eher selten ein verbaler Hilferuf erfolgen. Vielmehr ist man hier auf die Deutung anderer Anhaltspunkte angewiesen, die z.B. im Bereich der Körpersprache auftreten können.

Eben jene Verhaltensweisen werden jedoch häufig übersehen, nicht ernst genommen, oder im Extremfall sogar als bloße Unhöflichkeit und Ungezogenheit aufgefasst und dementsprechend bestraft.

Eine weitere, vielleicht tragischere Form des erfolglosen 'Auf sich Aufmerksam Machen'

Einige missbrauchte Betroffene bringen, allen bisher genannten hemmenden Faktoren zum Trotz, den Mut auf über das Erlebte zu sprechen, oder es zumindest anzudeuten.

Leider machen diese Betroffenen die Erfahrung:
[von denen zirka 70% die keinerlei Unterstützung erhalten]
- dass ihre Hinweise entweder schlicht überhört
- nicht ernst genommen,
- das ihnen nicht geglaubt wird.

Für Betroffene besteht fast immer die Ungewissheit, ob sie sich nicht vielleicht täuschen. Dadurch werden Zweifel an der eigenen Wahrnehmung nur noch verstärkt.

- Der Missbrauch dauert an,
- die Scham über das vermeintlich eigene ’Mittun’ wächst,
- gezielte Drohungen der Täter bestätigen sich.[Dir glaubt sowieso niemand]
- die eigene Widerstandskraft zerbricht,

Indem Signale übergangen, nicht geglaubt, oder sogar negativ bewertet werden, werden die Betroffenen tiefer in ihre 'innere Emigration' gedrängt. Somit wird auch hier, bis auf wenige Ausnahmen, das StillSchweigen letztendliche die Folge sein!



Schäden entstehen für Betroffene sowohl auf:
- physischer,
- psychischer, und
- sozialer Ebene.

Sie reichen von SchlafStörungen, KonzentrationsStörungen über Phobien und Psychosen - bis hin zu Suizidalität. Einige der Erscheinungen stehen inhaltlich mit dem Mutismus in engerem Zusammenhang, und werden aus diesem Grunde eingehender berücksichtigt.

In sozialer Hinsicht ist zunächst der Komplex der Schwierigkeiten mit Beziehungen zu nennen, welcher unter anderem:
- Verschlossenheit,
- Einzelgängertum,
- Fremdeln,
- Berührungsängste und
- übersteigertes Misstrauen
umfasst.

Da der sexuelle Missbrauch gerade auch einen VertrauensMissbrauch darstellt, ist letzteres besonders einleuchtend, und spielt auch hinsichtlich des 'Sich Niemandem Anvertrauen Können' noch während des Missbrauches eine entscheidende Rolle.

Ursächlich ist - die mit dem Missbrauch erworbene Grundeinstellung:
Nähe und Vertrauen = Gefahr.

Der so verkörperte soziale Rückzug
ist leicht mit einem kommunikativen Rückzug zu vereinen,
und findet im vollständigem Verstummen seine höchste Form.


Der Bereich der PersönlichkeitsStörungen, auf psychischer Ebene, ist erschütternd umfangreich. Explizit erwähnt seien jedoch vor allem Ängste und Psychosen, aber auch die Möglichkeit der erhöhten Wut und Aggression - verbunden mit extremen Machtstreben.

Bei allen Aspekten lässt sich eine Duplizität zu den VerhaltensAuffälligkeiten bei Mutisten finden, welche auf einen gemeinsamen Auslöser hindeuten könnte.

Nun ist noch der physische, oder wohl zutreffender, der psychosomatische Bereich zu nennen, in dem vor allem die häufig beobachteten verschiedenen SprachStörungen auffallen.

So, wie behinderte Betroffene in Bezug auf sexuellen Missbrauch besonders gefährdet sind, so ist es auch umgekehrt möglich, dass sexueller Missbrauch eine Behinderung verursacht.
Das Resultat einer SprachBehinderung lässt sich auf verschiedene Weise erklären.

Zum einem besteht eine enge Verbindung zu EntwicklungsStörungen. Vor allem bei sehr kleinen Kindern ist der Missbrauch häufig oral und fällt zeitlich mit der HirnReifung und SprachEntwicklung zusammen. So kann ein derartiges Erlebnis nicht nur zu Auffälligkeiten im Mundbereich, wie Rötungen oder Starrheit, sondern auch zu Störungen auf der LautEbene [Artikulations Störungen], sowie zu Beeinträchtigungen des SprachErwerbs und der Kommunikation führen.

Ein weiterer, sich auf die SprachEntwicklung negativ auswirkender Faktor, ist der bereits mehrfach angesprochene GeheimhaltungsDruck. Mit dem SchweigeGebot wird dem Betroffenen die Möglichkeit genommen, das Geschehene zu versprachlichen, durchzuarbeiten und zu integrieren.

Statt dessen wird verleugnet, uminterpretiert, verdrängt oder abspalten.

Schamgefühl, Angst, oder auch sprachliches Unvermögen, können zur Folge haben, dass Betroffene aufgrund des SpannungsVerhältnis, zwischen 'Sagen Wollen' und 'Nicht Sagen Können / Dürfen', eine SprechBlockade entwickeln.

Worte werden in ihrer potentiellen Gefahr erkannt und umgangen,
was wiederum eine gesamtsprachliche Beeinträchtigung nach sich zieht.




Das Schweigens gliedern sich, analog zur Sprache, in die:
- syntaktische,
- semantische
- pragmatische
Funktion.

  1. syntaktische Funktion:
    ist leicht verständlich und besagt, dass sich Schweigen gliedert.

  2. semantische Funktion:
    beschreibt die Ebene der Bedeutung. Da auch das Nichts interpretiert wird, hat auch Schweigen eine Bedeutung. Genau an dieser Stelle liegt nun aber das bereits erwähnte Problem: Schweigen verfügt über keine klare Codierung, kann folglich alles und nichts bedeuten, wird beliebig interpretiert.

  3. pragmatische Funktion:
    die Schwierigkeit bezieht sich auch auf diese Funktion, welche eine Aussage über den Aspekt der Beziehung macht. Auch hinsichtlich einer BeziehungsEbene ist Schweigen 'so oder so' interpretier oder/und fehlinterpretierbar.

Der Sinn des Schweigens ist demzufolge nicht geregelt, aber dennoch scheint es eine allgemeingültige Aussage zu geben:

Der Schweigende begibt sich in die Isolation!


Ein 'Nicht Aussprechen' steht für das innere Abschließen von Gedanken und Emotionen mit dem Ziel, diese somit auch für sich selbst weniger bewusst zu halten und zu verleugnen.

Es gibt bei Mutisten auch eine ErscheinungsForm,
die durch besondere Feindseligkeit und Aggression gekennzeichnet ist. Verbunden damit ist eine tiefergehende, und auch den anderen mutistischen Ausprägungen innewohnende, WillensAusrichtung. Hier kann es als ein Zeichen für ein besorgniserregendes MachtBedürfnis angesehen werden.

Mutismus kann also auch als ein KompensationsVersuch angesehen werden, und es sollte untersucht werden, ob es eine Reaktion auf erfahrene 'Selbst Wert Minderung' ist, denn bei sexuellem Missbrauch wird der Selbstwert, nicht nur wegen der Unterlegenheit, ganz entschieden verletzt. Das hiermit hervorgerufene MinderWertigkeitsGefühl strebt nach einem Ausgleich, was durch ÜberKompensation [MachtStreben] bzw. als De-Kompensation [emotional/sozialer Rückzug] ausgedrückt wird.

Dieses Macht und KontrollBedürfnis ist symptomatisch für Mutisten, und in Anbetracht eines möglichen sexuellen Missbrauchs wohl auch kaum verwunderlich.

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