Informationen über sexuellen Missbrauch & Misshandlung
     

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PKS, Pro[?] und Contra!


Unsere KindesMissbrauch-Statistik aus der polizeilichen KriminalStatistik [PKS] 2013
mit dem Datenbestand des BKA für das Jahr 2012 ist als
Sexueller Missbrauch von Kindern PKS-Schlüssel: '131000'
ab sofort hier zu finden.

Unsere Schnellübersicht der polizeilichen KriminalStatistik [PKS] 2013
mit dem Datenbestand des BKA für das Jahr 2012 ist als
"Kurzübersicht PKS-2013"
ab sofort hier zu finden.

Absatz schließen Vorwort:
Die Meldung im Mai 2012
vom BKA für das abgelaufene Jahr 2011


"Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung [PKS-Schlüssel: 100000]
sind um 0,4% auf 47.078 Fälle gesteigen".

Mehr war zu dem Thema 'sexueller Missbrauch in Deutschland' nicht zu vernehmen!

PKS-Schlüssel+'100000' Oper nach Lebenslinie  (c) AlterMann

Es fehlte leider folgender Hinweis:
Leider sind auch die bekannt gewordenen Fälle 'sexueller Missbrauch von Kindern(§§ 176, 176a, 176b StGB) nach 2010 auch im Jahr 2011 um 4,9% auf 12.444 Fälle weiter angestiegen. In diesem Deliktsbereich muss ausserdem 'nach wie vor' von einem extrem hohen Dunkelfeld ausgegangen werden, da nur die wenigsten Fälle tatsächlich zur Anzeige gelangen.

Anmerkung:
Wenn man einen Blick auf diese Übersicht des BKA wirft, dann wird einem sofort klar, wie wichtig und mit welcher Aufmerksamkeit dieses [leidliche] Thema sexueller Missbrauch - speziell von Kindern - doch in unserer Gesellschaft spielt.

Normalerweise gehörten diese Zahlen an den Anfang der Übersicht, und nicht lediglich unter "ferner liefen". Nun ja, geht ja auch nicht um do etwas wichtiges wie "Geld" dabei, sollen sich man nicht so anstellen die Opfer... [oder?]



Was allerdings auch in der Meldung des BKA fehlt, sind mal wieder die Zahlen über betroffene Kinder von sexuellen Missbrauch die Aufgrund der höher zu wertenden Straftatbestände in andere Schlüssel aufsummiert sind. Hier zu nennen sind zB. die HauptSchlüssel: 000000, 100000, 200000 und deren UnterSchlüssel.

Ein paar Zahlen aus 2011 vom BKA, die etwas ins Detail gehen:


012000 Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten § 211 StGB

- Betroffene: 26
- [5 Kinder 1 männl./4 weibl. und 3 Jugendl. 0 männl./3 weibl.]


110000 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Gewaltanwendung
       oder Ausnutzen eines Abhängigkeitsverhältnisses
       §§ 174, 174a, 174b, 174c,177, 178 StGB

- Betroffene: 14.282
- [620 Kinder 152 männl./468 weibl. und 3.767 Jugendl. 313 männl./3.454 weibl.]


141000 Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger
       oder Ausbeuten von Prostituierten
       §§ 180, 180a StGB

- Betroffene: 202
- [41 Kinder 13 männl./28 weibl. und 118 Jugendl. 27 männl./91 weibl.]


231000 Menschenraub, Entziehung Minderjähriger, Kinderhandel
       §§ 234, 235, 236 StGB

- Betroffene: 1.688
- [999 Kinder 497 männl./502 weibl. und 128 Jugendl. 32 männl./96 weibl.]


Soweit einige wenige Beispiele was alles in anderen PKS-Schlüsseln zu finden ist, wenn es um das Erleben der Kinder in dieser Republik geht.
05.09.2012
gez.: AlterMann



Absatz schließen

Die polizeiliche KriminalStatistik [PKS] ist in:

Fall-Statistik, Täter-Statistik und Opfer-Statistik unterteilt.

In der FallStatistik werden lediglich strafrechtliche Verstöße - unabhängig von der Anzahl der betroffenen Opfer – registriert.

Die TäterStatistik ist wiederum lediglich auf aufgeklärte Fälle beschränkt.
Pro Jahr und DeliktsGruppe wird zudem dort jeder Täter auch nur einmal gezählt. [EchtTäterZählung] Andererseits können wir aber hier einen Bezug auf das ’soziale NahFeld’ zwischen Täter/Opfer ermitteln, da hier die WohnortNähe des Täters zum Opfer angegeben wird.

Nur über die OpferStatistik kann die Anzahl der von einem Fall betroffene[n] Person[en] bestimmt werden. Außerdem findet man [begrenzt] nur in der hier Informationen zum Alter des Opfers, sowie zur 'sozialen Beziehung' vom Täter zum Opfer.

Für eine Analyse der Verbreitung von Misshandlung / Missbrauch von Kindern bietet sich also am ehesten die OpferStatistik in der PKS als erste InformationsQuelle an.



Das Strafrecht kennt derzeit eine Vielzahl an gesetzlichen Regelungen.
Die quantitativ relevantesten TatBestände des SexualStrafrechts
- zum Schutz von Kindern und Jugendlichen
betreffen den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen [§§ 174, 174a 174b StGB] und den sexuellen Missbrauch von Kindern [§176 StGB].

Diese sollen Kinder / Jugendliche entweder:
- altersunabhängig,
- oder nach bestimmten SchutzAltersGrenzen,
vor Verstöße gegen:
- die sexuelle Selbstbestimmung, oder
- vor gewaltsamen Übergriffen
schützen.

SexualStraftaten gegen Kinder werden somit in recht unterschiedliche Rubriken der polizeilichen KriminalStatistik erfasst.

Das Spektrum möglicher TatHandlungen ist sehr weit. Gewalt ist dabei nicht zwingend erforderlich. Es handelt sich um sogenannte ’abstrakte GefährdungsDelikte’, bei denen der Nachweis von Schäden nicht zum TatBestandsMerkmal gehört.

Der Aspekt der EingriffsIntensität wird allerdings durch die GeneralKlausel des §184c StGB berücksichtigt, wonach es sich um Handlungen ’mit einer gewissen Erheblichkeit’ handeln muss. Diese Regelung ist letztlich Ausdruck dessen, dass strafrechtliche Intervention als ’ultima Ratio’ dem RechtsgüterSchutz dient, weshalb bloße Ungehörigkeiten bzw. Anzüglichkeiten [mitunter verwerflich] strafrechtlich nicht verfolgt werden.

Was jedoch ’eine gewisse Erheblichkeit’ ist, hängt vom Einzelfall, sowie von den WertVorstellungen [Moral] ab, welche allerdings dem gesellschaftlichen Wandel unterworfenen sind.

Sexueller Kindesmissbrauch gem. §176 StGB

erfasst allein Handlungen gegen Kinder unter 14 Jahren.
[unabhängig von ihrer Beziehung zum Täter ]

Taten gegen Kinder oder Jugendliche nach §§ 174, 174a, 174b StGB setzen eine [mit dem RechtsBegriff des ’SchutzBefohlenen’ umschriebene] besondere Beziehung zwischen Täter und Opfer voraus [gem. §174 StGB z.B. Erzieher, Ausbilder, Betreuer, ElternTeil]. Die Schutzaltersgrenze liegt hier bei 16 Jahren. In Fällen der gezielten Ausnutzung der Abhängigkeit des SchutzBefohlenen als Tatmittel, sowie bei Taten von Eltern gegenüber ihren Kindern liegt die Grenze bei 18 Jahren.

Erkenntnisse zur Täter/Opfer Beziehung bietet die PKS nur begrenzt.
So muss bei der Frage, welcher Anteil der Vorfälle innerfamiliär geschieht, auf die umfassendere Kategorie des VerwandtschaftsVerhältnisses zwischen Täter und Opfer zurückgegriffen werden.

Ferner enthält die PKS keine Aufschlüsselung, die zugleich nach AltersStufen und Beziehung zwischen Täter und Opfer differenziert.

Lediglich für den sexuellen KindesMissbrauch [gem. §176 StGB], der ohnehin an die Altersgrenze von 14 Jahren anknüpft, sowie für den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen [gem. §§ 174, 174a, 174b StGB], wo betroffene Opfer unter 14 Jahren in der PKS gesondert ausgewiesen sind, liegen entsprechende Daten vor.

Nur für die Straftatbestände der §§ 177, 178 und 176 StGB bietet die PKS nach Alter und Geschlecht differenzierte, opferbezogene Informationen für einen längeren Zeitraum. Mit ihrer Hilfe ist die Entwicklung der Anzahl der Opfer für eine einheitliche SchutzaltersGrenze [hier von 14 Jahren] zu analysieren.

Es besteht [zu Recht] weitgehend Einigkeit darüber, dass die polizeiliche KriminalStatistik weder für eine Analyse über die Verbreitung physischer elterlicher Gewalt gegen Kinder, noch für eine Analyse des sexuellen KindesMissbrauchs eine ausreichende Datenbasis darstellt.

Als Gründe sind hier insbesondere zu nennen:
Das es davon auszugehen ist, dass der größte Teil der entsprechenden Vorfälle niemals zur Anzeige gelangt!

So hat die UnterKommission PolizeiPraxis der GewaltKommission des Deutschen Bundestages selbst darauf hingewiesen:
- das der GroßTeil innerfamiliärer GewaltDelikte jeglicher Art
der Polizei nicht bekannt wird.

Eine StudentenBefragung in Deutschland zum Thema ’sexueller Missbrauch an Kindern’ fand heraus, dass lediglich 11 von 152 Vorfällen überhaupt irgendeiner Institution gemeldet wurden. Nur zwei dieser 11 Meldungen gingen an die Polizei.

Zwei weitere Befragungen von Studenten stellen ebenfalls fest, dass die Betroffenen: so gut wie nie mit 'Offiziellen' über ihr Erlebnis sprachen.


Zu den ’Offiziellen’ gehören Berufgruppen wie z.b.:
- SozialArbeiter,
- Psychologen,
- Polizisten.

Eine Umfrage bei langjährig berufserfahrenen Professionellen an verschiedensten Institutionen ergab:
- das 94,5% von ihnen
in Fällen von sexuellem KindesMissbrauch [die ihnen Aufgrund ihres Berufes bekannt wurden] ihrerseits keine Anzeige erstatten.

Es ist durch zahlreiche Studien belegt, dass ’das AnzeigeVerhalten’ abhängig von der sozialen Nähe zwischen Täter und Opfer ist:

Je enger deren Beziehung, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Anzeige bei der Polizei. Delikte, die per Definition nur im FamilienKreis stattfinden, wie die elterliche physische Gewalt und Inzest, haben somit ein höheres Dunkelfeld als Delikte, die auch von FremdTätern begangen werden.

Ferner ist bekannt:
das die polizeiliche Erfassung von Vorfällen
- zu einem nicht unwesentlichen Anteil
eine Widerspiegelung sozial selektiver strafrechtlicher MutMaßungen und ForschungsBefunde zur Verbreitung darstellt.

Opfer wie Täter aus dem Bereich der unteren sozialen Schichten stellen vermutlich somit einen überproportionalen Anteil der erfassten Fälle!


Von daher ist anzunehmen, dass in der PKS der Anteil der Fremdtäter - in Relation zur GrundGesamtheit - überhöht sein wird.

Als HauptProblem ist aber anzusehen, dass die meisten polizeilich registrierten Vorfälle erst durch bekannt werden, weil die Opfer selbst diese Fälle [oft verspätet, Verjährung!] zur Anzeige bringen!

Ein weiterer nicht zu übersehender Fakt bei Kindern ist, dass:
- ihre Unkenntnis über entsprechende AnlaufStellen sowie
- ihre Unfähigkeit, diese aufzusuchen und dort Angaben zu machen,
durch das Alter beeinflusst sind. Daher ist in der PKS von einer ’altersspezifischen Verzerrung’ der registrierten Vorfälle auszugehen.

Dies könnte Auswirkungen auf die Relationen der unterschiedlichen GewaltFormen zueinander habe. Bestimmte GewaltFormen werden vornehmlich an jüngeren Kindern begangen, andere jedoch in einem Alter, in dem sich Kinder schon eigenständig an Polizei oder HilfsStellen wenden können.

Erschwerend kommt hinzu, dass oftmals Mitarbeiter der JugendÄmter - unter Bezug auf den Datenschutz [§§ 61-68 KJHG] - offenbar ihre Erkenntnisse nicht an die Polizei weiterleiten, keine Anzeige erstatten!

Vielen Medizinern ist diese Praxis nicht geläufig, weshalb sie nicht selten der Meinung sind, mit einer Meldung an das Jugendamt sei zugleich auch die Anzeige bei der Polizei erstattet worden.

All diese Gesichtspunkte führen letztlich dazu, dass die PKS nicht nur die FallZahlen unterschätzt, sondern auch kein repräsentatives Abbild des KriminalitätsGeschehens in Deutschland darstellt.



Abschlusss:

Für sich alleine bietet die PKS keine zuverlässigen Indikatoren für Entwicklungen und Strukturen. Insbesondere nicht in einem Feld sich wandelnder Anschauungen [Moral] und ideologischer Kontroversen.

Diese Einsicht gehört zum kriminologischen BasisWissen und verweist auf die Notwendigkeit der Nutzung weiterer und anderer ZugangsWege für epidemiologische Forschung in diesem Feld.




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