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Alle Namen von den Personen die auf den weitern Seiten vorkommen sind frei erfunden Jegliche Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig! Dies machen wir unfreiwillig und einzig aus rechtlichen Gründen. Aber alle geschilderten Begebenheiten haben so und nicht anderes stattgefunden.



Hamburg Volksdorf II

Text zum Thema Abgrund, Kinderheime

Ich habe gerade, um mich abzulenken, 'Das Wunder von Bern – die wahre Geschichte' im Fernsehen auf ARTE gesehen. Eine Sequenz über die Spieler in der Freizeit und dem Hotelaufenthalt brachte es wieder zu Tage. Im Hintergrund wurde gesungen – nichts besonderes – einfach alte Volkslieder.

"Hohe Tannen weisen die Sterne An der Iser in schäumender Flut. Liegt die Heimat auch in weiter Ferne...".

Ein Schatten aus der Vergangenheit...
Vor meinen Augen taucht ein großer Raum / Saal auf, und wir singen eben diese Lieder.

"Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsre weit und breit, wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit...".

Frauenstimmen, Kinderstimmen – Gänsehaut...

Ich mitten drin!
Gehört das auch hier hin – nach Volksdorf?
Ich bin mir nicht sicher – kann niemanden fragen!
Was ist bloß alles vergraben – wo ich nicht rankomme?
War es doch nicht so toll dort gewesen – wie es meine Erinnerungen mir erzählt hatte?

Hertie!
Das Kaufhaus in Altona – war das in dieser Zeit, oder warum taucht es jetzt wieder auf? Wieso habe ich jetzt – wo ich über Volksdorf grüble und schreibe - diese Bilder so klar wieder vor Augen? War alles davor geschriebene nur Schutzbehauptungen gewesen – um nicht an schmerzlichen Erinnerungen zu rühren?

Die Kirche auf dem Weg zum Bahnhof, die das Dach bis zum Boden heruntergezogen hatte – ein ultramoderner Bau. Die Regenabläufe waren extrem breit, und wurden von uns Kindern als Rutsche missbraucht.

Woher kannte ich den Bahnhof so gut, wenn ich doch immer nur auf dem Heimgelände war? Wieso ging ich in Hamburg-Altona auf Diebestour?
Ganz klar und deutlich sehe ich den Messingwecker in meiner Hand.

Nein – ich brauchte keinen Wecker, bestimmt nicht!
Im Heim nahmen sie uns doch alles ab.
Dort wurden wir doch von den Erziehern geweckt.

Wozu also der Wecker?
Ein Auftrag?
Sollte – oder wollte - ich den Wecker jemanden mitbringen?
Das Parfüm konnte doch auch nicht für mich sein, ich nahm so was doch nicht!

Aber wie konnte ich hier auf der Polizeiwache sitzen, und mir Sachen wie ’bandenmäßiger Diebstahl’ von den Beamten vorwerfen lassen, wenn ich doch im Heim in Volksdorf in der Schule oder auf dem Gelände spielen war? Bandenmäßig – Ja sicher, wir waren eine ganze Klicke – Ich saß ja gar nicht alleine hier! Nein – keine Namen oder Gesichter, nichts fassbares, aber die Menge der im Kaufhaus gestohlen Sachen, die da auf dem Tisch lagen, hätte ich alleine gar nicht klauen - geschweige denn transportieren - können.

Und überhaupt – wieso Altona?
Unser Kinderheim in Volksdorf lag doch am Rand von Hamburg – weit, weit weg von Altona!

Ich bin mir sicher, dass ich das nicht war – mir ging es doch gut hier?

Dämmerung, ich renne durch den Wald des Heimgeländes.
Hinter mir sind laute Rufe zu hören, die mich zum Aufgeben und Umkehren bewegen wollen.

Aber renne nur noch schneller – raus aus dem Wald über die Wiesen.

Warum ich so laufe?
Keine Ahnung, aber dahinten ist das Neubaugebiet. Dort muss ich hin – da bin ich sicher! Zwischen dem ganzen Baumaterial und halbfertigen Häusern kann ich mich verstecken. Dort haben sie keine Chance mich einzufangen.

Scheiße diese Schmerzen – ich blute wie Sau.

Wie kann das angehen?
Mein Leben lang habe ich immer erzählt, das die dicke große Narbe an meinem Oberschenkel vom Fußballspielen kommt. Ich war mir da ganz sicher gewesen. Ich habe mich als Torwart in eine Flanke geworfen, um den Gegner den Ball wegzufangen. Der aber konnte seinen Tritt nach dem Ball nicht mehr abfangen, und hatte mich so mit seinen Fußballschuh voll auf dem Oberschenkel erwischt. Wir hatten richtige Fußballschuhe an. Mit Schraubstollen aus Alu drunter. Und so hat er mir dann den Oberschenkel aufgeschlitzt.

Das war doch die Wahrheit, und erst viel später in Pinneberg passiert?
Wieso liege ich denn jetzt hier in Volksdorf auf der Baustelle mit dieser klaffenden Wunde, an genau der Stelle wo diese Narbe ist?

Ich hatte beim Laufen, als ich die Baustelle erreicht hatte, über die Schulter nachgesehen ob der Vorsprung groß genug war, um sich in Ruhe ein gutes Versteck zu suchen. Dadurch sah ich im Dunkeln das Moniereisen – das mir im Weg lag – nicht, und bin mitten in die Eisenmatten gefallen. In meiner Panik bin ich so schnell ich konnte wieder aufgesprungen, und versuchte aus dem Hindernis herauszukommen. Dadurch bin ich am Rand der Matten wieder hingefallen, und den Berg aus Eisenmatten heruntergefallen. Mit dem Oberschenkel rutschte ich an den herausstehenden Ende der Matten entlang. Dabei hatte sich das Ende einer der zur Matte geflochtenen Eisenstange in meinen Oberschenkel gebohrt, und diesen beim Fallen auf einer Länge die der Länge meiner Hand entsprach, aufgerissen.

Hätte ich nicht diese blöde kurze Lederhose aus Glückstädter Zeiten angehabt, wäre bestimmt nicht so viel passiert. Aber so war das Bein im Arsch – komplett!

Jetzt war ich verloren –
Sie würden mich nur noch einsammeln müssen, denn wie soll man so noch laufen?

Aber zu meinem Erstaunen kam keiner. Sie riefen auch nicht mehr nach mir!
Es war einfach Ruhe.
Diese herrliche Ruhe – wie damals in meinem vorherigen Leben!

Aber diese Schmerzen – und das viele Blut!

Aufgeben?
Um Hilfe rufen?
Aber wen? Sie hatten doch von mir abgelassen.
Ich war doch wieder ganz alleine auf dieser Welt!
Daher auch diese herrliche Ruhe – und es war ja auch schon Nacht.

Ein Verband!
Ich brauche einen Verband. Ich muss doch die Blutung stoppen, und es darf doch auch kein Dreck in die Wunde kommen. Hatte ich in Glückstadt so gelernt – beim Pflegevater, der doch beim 'Roten Kreuz' war.
Danke 'Alter' – von dir weiß ich auch das der Schmerz nachlassen würde, kein Grund zum Aufgeben war.

Um die Wunde an sich brauchte ich mir jetzt auch noch keine Sorgen zu machen, da das viele Blut den Dreck und Rost der Eisenstange rausgewaschen hatte. Nur neuer Dreck darf eben nicht da reinkommen, und die Kluft der Wunde muss mit einem Druckverband zusammengebracht werden, um ein Zusammenheilen der Wunde zu ermöglichen. Außerdem würde das auch die Blutung stillen und die Wunde könnte so von alleine heilen!

Kein Grund zum Aufgeben also!
Wie in den Kriegs- und Westernfilmen gesehen, zerriss ich also mein Hemd und machte mir den Verband.
Nein – ich war kein Held.
Es schmerzte höllisch, und ich heulte wie ein Schlosshund.
Aber das was mich zum Laufen veranlasst hatte, musste für mich wohl viel schlimmer sein, als an so einer Wunde zu verzweifeln und aufzugeben. Ein neues Hemd und eine lange Hose – um die Wunde zu verbergen – würde ich unterwegs von irgendeiner Wäscheleine klauen können. Ich konnte also weiter!

Aber wohin?
Hamburg Hauptbahnhof – Na klar!
Dort trieben sich doch die vielen 'schwulen Männer' rum. Einer von denen würde schon so 'NETT' sein und mich mit zu sich nach Hause nehmen. Dort könnte ich dann mein Bein ausheilen und auch Schmerzmittel bekommen. Muss nur einer von der 'netten Schwulen' sein. Der würde mich in Ruhe lassen und nicht vögeln wollen, sondern ehrlich helfen und darauf hoffen das ich dann bei ihm bliebe.

SO war das also in Volksdorf?
Ja sicher – dafür waren die Bilder und die Gefühle beim Aufschreiben dieser 'Geschichte' zu deutlich vor meinen Augen. Außerdem juckt die Narbe ausgerechnet jetzt – als will sie mir zustimmen. Die Narbe kam wirklich von dort – aber auch das mit dem Fußballstiefel stimmte.
Diese Narbe war allerdings viel kleiner und knapp darunter. Das ich vorher noch nie darauf geachtet hatte. Jetzt allerdings habe ich gerade mal ganz genau nachgesehen.

Wovor ich weglief?
Ich weiß es einfach nicht – ehrlich!
Es muss schlimm gewesen sein, da ich sonst eher aufgegeben hätte, als es so wie beschreiben auch durchzuziehen.

WER hinter mir her war?
Keine Ahnung wer, was oder warum.
Nur weg hier – raus aus dem Fenster und um mein Leben laufen, das war alles.

Andererseits – woher kannte ich mich denn so gut in Hamburg aus?
Wieso konnte ich es so genau wissen, das am Hauptbahnhof auf dem Männerklo 'die Schwulen' auf mich warten würden?

Ich habe inzwischen einige Tage und Nächte darüber nachgegrübelt, aber alles was es brachte, waren Magenschmerzen und Atemnot.
Da würde ich wohl nie wieder rankommen – zu tief vergraben? Zu lange her? Oder doch alles nur Einbildung? Man hatte mir, außer meiner Intelligenz und raschen Auffassungsgabe, eine rege Phantasie unterstellt. [Aktenauszug]

Aber da ist doch die Narbe!
Nun gut – sie ist nicht mehr so lang wie früher, aber ich bin ja auch gewachsen und nur das tiefe Narbengewebe eben nicht. Und da wo der Riss im Bein nicht ganz so tief war, war die Stelle mitsamt der Oberflächennarbe dann doch in den 42 Jahren rausgewachsen.

Oberflächennarben wachsen aus dem Gewebe raus – Gott sei Dank.
Wie würden sonst mein Arsch, Rücken, meine Arme und Beine aussehen – nach der Zeit in Glückstadt?

Nein – aus dieser Zeit gab und gibt es nur noch Narben auf meiner Seele – die wachsen nicht raus, im Leben nicht. Selbst der ausgeschlagene Milchzahn [danke Vater] war doch wieder nachgewachsen. Ich hatte ja 'gutes Heilfleisch' – hatte der Alte mal gesagt, als ich mich dummerweise beim Holzhacken verletzt hatte.

Pflaster drauf – und gut! Da war Verlass drauf.

Zurück zum Text.
Was war den noch in Volksdorf?

Ich gebe auf – nichts mehr rauszuholen aus dem Dunkel um Volksdorf.

Ich 'sehe' höchstens noch schemenhaft Lagerfeuer und Gesang und eine Ahnung von einem Saal, wo wir zum Essen sitzen – Milchsuppe oder so. Aber kein klares Bild – nur eine Ahnung...
wie ein Schatten von einem Flugzeug das über dir hinwegfliegt, und schon wieder verschwunden ist, bevor man ihn richtig sieht!

Aber sonst??

Ach so, die Schule
Ich nahm wieder am Unterricht teil. Mal sehen – welche Klasse war das denn? 1966 zum Ende des Sommers – 1960 eingeschult also sechste Klasse. 13 Jahre inzwischen

Halt – da war doch was?
Ach ja – Schulreform in Hamburg. Ein Halbjahr wurde als ganzes Jahr gewertet, und ich - weil ich ja jetzt in Hamburg zur Schule ging - damit automatisch in der 7. Klasse. Netter Trick – kein Stoff lernen, und trotzdem 2 Klassen auf einmal nehmen.

Das erste Kurzschuljahr reichte vom 1. April bis 30. November 66 und das zweite Kurzschuljahr vom 1. Dez. 66 bis 31. Juli 67. [laut Internet] Ich hatte schon lange in der Schule in Glückstadt nur das Nötigste getan. Seit meinem ersten Zeugnis... Nur soviel, dsas man nicht 'sitzen blieb' eben!

Dann im 'Verschiebebahnhof' Averhofstraße kein Unterricht – bestimmt zwei Monate lang. In Volksdorf in der 'hauseigenen Schule' auch erst mal kein Stoff - wegen der Eingewöhnung in das Leben zurück.

Und nun schlagartig 7. Klasse – wie sollte das gehen? Na, hier gab es keine Zeugnisse – man wurde einfach weiterverschoben. Blieb ja auch keiner lange genug hier – eigentlich.

Ich hab ja nicht viel gelernt an Schulstoff hier – nur Afrika, das kann ich sogar heute noch aus dem Kopf nachmalen. Die Umrisse des Kontinents meine ich, nicht die einzelnen Länder oder Flüsse und Gebirge.

Aber sonst ist aus dieser Zeit schulmäßig nichts hängen geblieben.

Wir haben schon November - bald ist Weihnachten.

Zeitlos fliegt das Leben an mir vorbei.
Es geht mir gut. Ich bin gerne hier. [?]

Ich wünschte ich wäre schon immer hier gewesen.
Hier bin ich Mensch, hier darf ich ein Kind sein!

Pinneberg – Da sollte ich jetzt hin.
In ein Kinderheim der Arbeiter Wohlfahrt - für immer!

Aus, der Traum vom schönen Leben hier.
Mal sehen was das wird...




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