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Alle Namen von den Personen die auf den weitern Seiten vorkommen sind frei erfunden Jegliche Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig! Dies machen wir unfreiwillig und einzig aus rechtlichen Gründen. Aber alle geschilderten Begebenheiten haben so und nicht anderes stattgefunden.



Johannes-Petersen-Heim / Hamburg Volksdorf

Hamburg Volksdorf I

Text zum Thema Kinderheim

Ein altes Landgut, wenn ich mich recht entsinne, mit eigenem Wald und Wiesen.
Mitten drin das Gutshaus.

Zäune gab es nur am Haupteingang - der Zufahrt zum Gelände. Ein ewig langer Weg von großen Bäumen gesäumt, führte zum Haupthaus. Vor dem Haus ein Rasen und Blumenbeete. Eine große breite Treppe führte zum Haupteingang hinauf.
Hinter dem Haupthaus ein großer Innenhof, wo Pavillons standen. Eine Art Scheune muss da auch gewesen sein, da ich mich noch sehr gut an das große Trampolin erinnere, auf dem ich gerne und oft gesprungen bin.

Am Weg entlang der Pavillons standen auch einige große alte Tannenbäume, die ihre Äste bis auf den Boden hängen ließen

Ach so – fest umgrenzt war das gesamte Gelände übrigens doch. Allerdings war diese Mauer unsichtbar.

"Bis hier her und nicht weiter", stand automatisch vor Augen - wenn man den kleinen Erdwall an der Strasse erreichte - denn Kinder die gut behandelt werden respektieren Grenzen, auch virtuelle!

Machte alles einen 'würdevollen' Eindruck auf mich. Na gut - wenn man hier leben könnte, für längere Zeit natürlich, dann könnte der Rest von mir es hier auch aushalten und sich wieder mit mir vereinen.

JA, ich versuchte mir das vorzustellen, aber etwas störte die Idylle... ich hörte keine Kinder! Das sollte doch ein Kinderheim sein... wieso hört man nichts? Verstieß es gegen die Würde des Hauses, wenn laute Kinder zu hören sind?

Nein, die Lösung war ganz einfach, war nur zu misstrauisch geworden im Laufe der Jahre. Die großen Kinder hatten in der hauseigenen Schule Unterricht, und die kleinen Kinder tobten im Wald oder auf den Wiesen herum. Ein echtes Kinderparadies, wenn man mal von der hauseigenen Schule absieht, und davon, dass es leider nur ein Übergangsheim war. Keiner blieb länger als ein Jahr hier!

Ein Platz der nicht von dieser Welt war - nur für den Übergang.
Wahr wohl doch einfach ZU GUT für uns hier?

Keine Prügel, genug zu Essen, Platz zum Spielen, Erzieher die auf dem Flur Gitarre spielten und 'Monday, Monday' sangen, um uns Kinder zu beruhigen und zum Einschlafen zu bringen.

Trampolin springen, endlich wieder Fußball spielen, Höhlen bauen – und lernen!
Einfach ein ganz normales Kind sein und sich nicht mehr behaupten müssen.
Keine Feinde mehr die einen umbringen wollen.

Ich finde es sehr schade, das ich an diese schöne Zeit, wo ich endlich wie ein Mensch behandelt wurde und langsam zu mir selbst fand, keine Gesichter oder Namen mehr finden kann. Ich würde euch gerne für diese Zeit persönlich danken, aber bin zu dem Zeitpunkt schon zu zerstört, um Menschen in meinem Umfeld noch als Personen und Persönlichkeit wahrzunehmen.

Auch die anderen Kinder - es gab sie zuhauf dort - sind weg.
Na klar hatte ich dort Freunde - aber...
Nichts da, keine Namen, keine Gesichter - NICHTS - menschenleer...

Eine Begebenheit hat sich aber fest eingeprägt, da sie mir damals noch Angst machte.
Ich hatte dort mein 'zweites Gesicht' entdeckt.

Es war ja 1966 und auch schon Sommer geworden. Die Fußball-WM lief!
Ich sagte ALLE Ergebnisse der einzelnen Spiele mit absoluter Genauigkeit voraus!

Mein Erzieher [der mit der Gitarre - (Herr Marquardt?)] fragte mich wie das Spiel X gegen Y ausgehen würde - er wollte Wetten gewinnen. Ich sagte ihm nicht nur das Ergebnis vorher, sondern auch noch in welcher Halbzeit die Tore für welche Mannschaft fallen würden. Jedes verdammte einzelne Spiel. Nie irrte ich mich, obwohl ich weder die Mannschaften, noch irgendwelche Fußballspiele je im Fernsehen oder sonst wo gesehen hatte.
Wie wir heute - dank Computer und Superzeitlupen Auswertung wissen - sagte ich sogar das Endspiel Deutschland / England richtig vorher. Ich konnte doch nicht wissen [sehen] das ein kurzsichtiger Schiedsrichter nicht sieht, dass der Ball nicht hinter der Linie war!

Aber sonst??

Halt, das Auto und die Höhle!
Ja, irgendjemand hatte dem Heim ein Schrottauto geschenkt. Wir Kinder schoben es den langen Weg von der Einfahrt zum Heim durch den Wald auf die Wiesen. Das war toll, da wir auch selber das Auto lenken durften.

JA DOCH!
Richtig Autofahren - langsam zwar, aber selber. Auch ich durfte das Auto lenken - den Weg durch den ganzen Wald!

Die Höhle - ein Erdloch 2x3 Meter groß und 2 Meter tief. Welch ein Wahnsinn, aus heutiger Sicht. Zwei Meter tief in die Erde haben wir uns gegraben - freiwillig!

Ich kann ja nicht gut Rechnen, aber zwei Meter tief, das macht dann 12 Kubikmeter Erde! Die haben wir mit purer Muskelkraft bewegt! Sieben oder acht Kinder waren wir - tagelanges Graben. Eine gute Therapie für uns, besser als der Psycho-Onkel mit seinen dummen Fragen und Tests! Das half uns vergessen, zu heilen [verdrängen] - wieder Mensch zu werden!

Leider waren unsere Erzieher aber nicht vom Bau, sonst hätten sie gewusst das man die Wände hätte abstützen müssen, damit die Höhle nicht einstürzt.

Wir hatten uns so viel Mühe damit gemacht.
Aus Brettern ein Dach darauf gemacht und mit Folien abgedeckt. Teppiche und Matratzen vom Speermüll auf den Boden gelegt und geklaute Petroleumlampen von der Straßenbaustelle unter die Decke gehängt.

War echt ein Superteil geworden - unsere Höhle.
Aber dann kam ein Sommergewitter - alles voll Wasser gelaufen und die Wände eingestürzt.
Nur noch ein riesiges Loch, indem wir dann eines Tages das inzwischen völlig zerstörte Auto begruben!

Und sonst?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, das ich eine Nacht in einem Pappkarton auf der Baustelle am Hamburger Fernsehturm - der gerade gebaut wurde - verbracht habe.

Ich hatte die unsichtbare Mauer überschritten und war 'weggelaufen'!
Aber was konnte ich auch anderes tun?
Die Teufel aus Glückstadt hatten sich für einen Besuch bei IHREM Kind angemeldet, und die Leute aus dem Heim hielten das für eine gute Idee. Sie wollten unbedingt, dass ich mich da hinsetzte... mich selber wieder diesen Verbrechern ausliefere. Eventuelle 'Familien-Zusammenführung' nicht ausgeschlossen!

Ich wollte das Pack noch nicht einmal mehr sehen!
Und erstrecht wieder dorthin zurück!
Ich hatte sie doch sogar eigenhändig erschlagen - nur um sie loszuwerden!

Also ging ich nicht ins Bett, sondern versteckte mich draußen - am Abend davor!
Man, da war was los. Sie suchten mich wie blöde.
Keiner fand mich - dabei hätte ich ihnen die Schnürsenkel klauen können, so dicht standen sie vor mir. Ich hatte mich im Innenhof unter einer Tanne versteckt. Die ließen doch so schön die Äste bis auf die Erde hängen. Dort konnte mich keiner von denen im Dunkeln sehen. Es kam auch keiner auf die Idee mal unter die Äste zu leuchten.

Aber da liegen bleiben konnte ich tagsüber nicht, dann würde man mich finden.
Also musste ich doch die Grenze übertreten - was sollte ich denn sonst tun?
Dann zum U-Bahnhof und ab Richtung Innenstadt. Dort würde sich schon etwas ergeben, da war ich eigentlich sicher.

Da ich mich aber in Hamburg nicht auskannte, irrte ich die halbe Nacht durch diese riesige Stadt und bin dann wohl irgendwie an dieser Baustelle Fernsehturm gelandet.

Es war kalt und ich war müde, und in dem Karton war es warm.

Ich irrte dann noch den ganzen nächsten Tag in Hamburg herum.
Bin dann irgendwann nachts auf dem 'Kietz' [St. Pauli] gelandet, und habe mich dann dort in eine Telefonzelle gelegt. Mitten auf der Reeperbahn... aber ich war einfach zu müde und fertig.

War warm da drin. Irgendwelche Leute haben dann die Bullen gerufen.

So habe ich eine Nacht auf der Reeperbahn in der Zelle auf der Davids-Wache verbracht.

Mit 13 Jahren zwischen all den Besoffenen und Schlägern.
Mein erstes 'Hallo' mit meiner fernen Zukunft...




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