Informationen über sexuellen Missbrauch & Misshandlung
     

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Der Ausstieg vom Geschwisterinzest
Thema: sexueller Missbrauch

 aus dem Kapitel » Inzest «

Der Ausstieg aus einem Geschwisterinzest
wird für Betroffene durch mehrere psychosoziale Faktoren erschwert. Sie alle können dazu beitragen, dass die Schuldgefühle des Opfers noch verstärkt werden:

- Die Macht des sexuellen Geheimnisses vor den Eltern.
Das Gefühl, die Eltern durch die heimliche Überschreitung eines Tabus 'an der Nase herumzuführen', hilft dem Kind, erlittene OhnmachtsGefühle in der Beziehung zu seinen Eltern zu kompensieren.

- Den entsetzlichen VerlassenheitsÄngsten
kann der Inzest entgegenwirken. In der erlebten sexuellen Ausbeutung spürt sich das Opfer selbst. Die Verschmelzung mit einem zuverlässigen anderen Menschen hilft, das durch Deprivation brüchige Selbstgefühl auszugleichen.

Ein einvernehmlich begonnener GeschwisterInzest:

kann sich in einen machtorientierten Inzest umwandeln. In diesem wird das Opfer durch die latente oder auch offen ausgesprochene Drohung, das extrem schambesetzte, aber ursprünglich einvernehmliche Verhalten offen zu legen, gefügig gemacht bzw. gefügig gehalten.

Eltern übersehen, verleugnen und bagatellisieren das InzestGeschehen häufig.
Für die Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse beim Opfer spielt das Verleugnen der sexuellen Gewalt unter den eigenen Kindern durch die Eltern selbst nach der Aufdeckung eine große Rolle.

Es scheint geradezu typisch zu sein, dass Betroffene über einen längeren Zeitraum hinweg mehrere verzweifelte Anläufe nehmen müssen, bis sie von Erwachsenen wegen der laufenden Ausbeutung endlich Aufmerksamkeit erhalten. Darin zeigt sich ein Phänomen, das von anderen Formen traumatisierender Erfahrungen bekannt ist.

Es existiert eine doppelte Mauer des Schweigens.


Die Betroffenen können sich aus Angst-, Scham- und SchuldGefühlen nicht äußern. Und ihre Umwelt ist kaum dazu bereit, entsprechenden Schilderungen zu folgen oder die Zeichen wahrzunehmen und in ihrer ganzen Bedeutung zu akzeptieren. Dies verstärkt die Isolation und die Einsamkeit des Opfers subjektiv ins Unermessliche.

Für die Frage, inwieweit ein sexueller Angriff auf das Selbst- und das WeltVerständnis den betroffenen Menschen traumatisch erschüttert, ist das Wesen der Beziehung, in der dieser Angriff geschieht, bedeutsam.

GeschwisterInzest, hinsichtlich seiner traumatischen Konsequenzen, bleibt häufig folgenlos, so das es also nicht zu psychischen FolgeSchäden kommt.

Der GeschwisterInzest wird von allen bekannten InzestFormen als der am wenigsten schwere Verstoß gegen das kulturelle InzestTabu angesehen. Deshalb sind die zu erwartenden Schuldgefühle des Opfers, die bekanntlich wesentlich zu einer psychischen Problematik beitragen, weniger ausgeprägt als bei anderen Formen von Inzest.

Dennoch muss aber in Fällen, in denen GeschwisterInzest mit Gewalt erzwungen werde, von einer nachhaltigen Traumatisierung ausgegangen werden.

Der GeschwisterInzest erweist sich als ein komplexer Sachverhalt,

der in einem Beziehungsnetz einer Familie entsteht und darin fortbestehen kann. GeschwisterInzest ist nur vordergründig die Sache eines isoliert handelnden Akteurs, dessen 'Entfernung' alles wieder gut macht.

Um ihn zu unterbinden und um eine solide Basis für die Entwicklung aller Kinder zu ermöglichen, sind InterventionsMassnahmen nötig, die sowohl das Opfer als auch das Täter Kind, aber auch die FamilienStrukturen insgesamt betreffen.

Bei einem Verdacht auf GeschwisterInzest
wird unbedingt empfohlen sich professionelle Hilfe einholen!



Quellen:
Neben den Fachbüchern von Bange, Deegener, Fegert, Finkelhor, Elz usw. ist der FachArtikel von Regula Schwager [Psychologin, Psychotherapeutin] und Marie-Louise Pfister [Sozialpädagogin, Paar- und Familientherapeutin] sowie das Buch 'Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung' von Ulrich Tiber Egle besonders erwähnenswert.


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