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Alle Namen von den Personen die auf den weitern Seiten vorkommen sind frei erfunden Jegliche Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen wären rein zufällig! Dies machen wir unfreiwillig und einzig aus rechtlichen Gründen. Aber alle geschilderten Begebenheiten haben so und nicht anderes stattgefunden.



AWO-KinderHeim Pinneberg

Text zum Thema Institutionen, Kinderheim

Es war eine unendlich lange Fahrt und schon richtig Dunkel geworden, als wir in Pinneberg ankamen.
"Ein richtiges Weihnachten, würde ich dann haben, in Pinneberg", so hatte man versucht mir den Abschied aus Volksdorf zu versüßen. Dabei fühlte ich doch gar nichts...weder Trauer noch Abschiedsschmerz. Außerdem war es mir schon lange egal gewesen wo, und ob überhaupt Weihnachten stattfand. Weihnachten, Geburtstag oder Sylvester waren keine Begriffe mehr für mich.

Ich maß nach anderen Maßstäben.
Zuneigung, Wärme, Vertrauen und Geborgenheit – würde es das geben?
Zu Weihnachten bestimmt nicht!
Das alles hatte ich doch schon seit Jahren vergeblich auf dem Wunschzettel.

Und dann als 'Neuer' in einem Heim schon gar nicht.
Das hatte ich sehr schnell und schmerzhaft gelernt, das man sich erst mal behaupten musste. Einen Platz in der Hackordnung erringen, der einem Kind gewisse Möglichkeiten des 'Seins' offen hält. Durch die 'gute Schule', durch die ich in Glückstadt gegangen war, hatte ich keine Probleme damit gehabt mich in Volksdorf in die Gruppe ein- und nicht nur unterzuordnen.

Nein – nicht mit Gewalt!
Ich schlug nicht – ich wusste wie Schmerzen sich anfühlen, und das zur Genüge. Ich würde nie schlagen – da war ich mir sicher!
Ich hatte so etwas nicht nötig.
Ich war verschlagen genug um meinen Verstand zu benutzen.
Es ist ein leichtes, dumme oder seelisch verletzte Kinder zu manipulieren! Nicht nur für euch abwichsten Erwachsenen – auch für mich.

Ein nettes Wort zur 'rechten Zeit' richtet mehr aus als Drohungen.
Drohungen sollte man erst einsetzten, wenn nichts anderes mehr hilft.

Und dann bitte auch richtig.
Für Kinder, und besonders für uns Heimkinder, ist die Drohung mit Ausschluss aus der Gemeinschaft schlimmer, als die Androhung oder die Anwendung von Schlägen.

Wenn es aber dann doch mal nicht ohne gewalttätige Auseinandersetzung zu regeln war, kein Problem. Ich war recht kräftig und konnte gut Ringen. So schnell wie ich meine Gegner angesprungen und zu Boden gerungen hatte, konnte die meisten gar nicht zuschlagen. Wenn man sie dann erst mal im 'Schwitzkasten' hatte, und ihnen dann ganz langsam und genüsslich die Luft abschnürte, gaben sie sehr schnell auf, ließen einen dann in Ruhe. Meistens sogar für immer – einige wollten dann sogar lieber meine Freunde sein.

Ist primitiv, ich weiß. Aber so läuft nun mal das Heimleben.
Freundschaften sind dort als Allianzen anzusehen - und nicht als Freundschaft im herkömmlichen Sinn.


das AWO-Kinderheim Pinneberg
[das AWO-Kinderheim Pinneberg vom Fussballplatz aus gesehen]

So fuhren wir dann also im Dunkel spät Abends auf den Hof. Viel war ja nicht zu sehen. Rechts von der Einfahrt war eine flache 'Baracke', und links ein großes Haus mit einem Turm oben auf dem Dach. JA, so ein richtiger Turm wie bei einem Schloss. Viele Fenster im Haus die hell erleuchtet waren. Einige neugierige Kinder drückten sich ihre Nasen an den Scheiben platt, um zu sehen was sich hier auf dem Parkplatz so abspielt. NA klar wussten die das ein 'Neuer' kommen würde. Das wussten wir in Volksdorf doch auch immer - warum sollte es hier anders sein.

"Aussteigen, Sachen schnappen und folgen", kam es von vorne aus dem Wagen.
Mit einem flauen Gefühl im Magen – da ich ja schon immer Veränderungen hasste und schlecht ertragen konnte – machte ich mich daran mein neues 'Zuhause' zu betreten. Laut ist es hier – das war das Erste was mir durch den Kopf ging.
Kinderlärm!
Toben im Treppenhaus, rennen über die Flure. Kann also so schlimm nicht sein hier - versuchte ich mich zu beruhigen.

Ein ewig langer Flur mit riesig hohen Türen.
Der weiß was er macht, einfach hinterhergehen und abwarten was kommt. Ich trottete also hinter dem Kerl, der meine Akte in der Hand hielt, hinterher. Ein Büro, 'Heimleitung' prangte auf dem Schild. Teilnahmslos und unbeachtet stand ich halb auf dem Flur und halb im Büro. Wie immer... es ging um mich, aber eben nicht als Mensch, sondern als Sache.
Der Vorgang Jürgen Mustermann – laut Aktenlage, bla, bla... Als wenn ich gar nicht da stehen würde.

Dann kommt einer auf mich zu.
Groß, hager mit einen freundlichen Lächeln und warmen Augen. Sein Händedruck ist lasch und nichtssagend.
"Ich bin Herr Gemm, dein Gruppenleiter. Herzlich willkommen bei uns. Wirst schon sehen – ist schön hier bei uns. Wir gehen jetzt am besten nach oben in die Gruppe, damit du die anderen Kinder kennen lernen kannst. Außerdem hast du doch bestimmt Hunger nach der langen Fahrt. Ich hab extra etwas vom Abendbrot für dich aufbewahrt. Morgen kümmern wir uns dann um die anderen Sachen wie Kleidung und so. Ist ja bald Schlafenszeit".

Also, Treppe rauf zum 1. Stock.
Er redet auf mich ein, aber ich höre nicht zu. Ich muss die neuen Eindrücke und Gerüche in mich aufnehmen. Die Blicke der rumlungernden Kinder auffangen und bewerten. Einige von denen sehen harmlos aus, andere haben den selben irren Glanz in den Augen wie ich.
Nun denn – hier könnte man es bestimmt auch aushalten. Wozu Sorgen machen? Sieht nicht so aus als würde hier eine Prügelanstalt sein. Machen alle einen recht 'fröhlichen' Eindruck.

Zehn Kinder sind wir also in der Gruppe.
Alles Jungs. Und einige jünger als ich. Der Gruppenraum ist groß und hat viele Fenster. Ein Einzeltisch links neben der Tür, wenn man zum Gruppenraum rein kommt. Der Erziehertisch. Rechts ein großer Schrank. Der Gruppenschrank voll mit Spielen und so ein Kram.

Links und rechts von dem Gruppenraum gehen je eine Tür in die Schlafzimmer. Eine Sitzbank geht an der Fensterfront von Schlafzimmertür zu Schlafzimmertür herum. Zwei Tische – zusammen geschoben, mit Stühlen davor - auf jeder Seite.

Alles ist auf zwei Fünfereinheiten ausgerichtet.
Zwei Schlafzimmer zu je fünf Mann. Die ganze Gruppe ist aufgeteilt nach dem linken und dem rechten Schlafzimmer, und ich gehöre also zum linkem Schlafzimmer. Im Schlafzimmer, links an der Wand, zwei Etagenbetten für je zwei Personen, und ein Einzelbett gegenüber der Tür. An den zwei Fenstern im Zimmer je ein Tisch und Stuhl.

Keine Bilder – nur nackte Wände.
Holzfußboden.
Alles sauber und ordentlich!

Nun denn – hätte schlimmer kommen können.
Wichtiger – genau gegenüber von unserer Gruppe, auf der anderen Seite des Flures, eine Mädchengruppe. Und am Ende des Ganges auch Mädchen – ich entsinne mich, dass es eine Geschwistergruppe war, so richtige Geschwister mit den selben Eltern - na klar!

Das war das erste was ich rausfand.
Holla, so würde es noch nett werden. Mädchen sind immer gut. Beruhigt die Nerven.

6Uhr wecken.
6.15Uhr Frühstück.
13Uhr Mittagessen.
18Uhr Abendbrot.
20Uhr Schlafenszeit

Schlafzimmer putzen und saubermachen täglich.
Gruppenraum wechselseitig je Zimmer.
Draußen spielen erwünscht.
Fußballplatz vorhanden.
Gelände verlassen – außer zur Schule - verboten!

Alles ist geregelt. Ordnung muss sein. Soweit das technische.

Die nächsten Tage habe ich mir dann alles in Ruhe angesehen.
Muss mal ein Schloss oder so was gewesen sein. Im flachen Bau neben der Einfahrt - den ich abends schon bemerkt hatte - war die Wohnung des Heimleiters Horst Hasser und die Nähstube untergebracht. Dahinter lag der Sportplatz. Juhu, ein richtiger Fußballplatz mit zwei großen Toren. Ich bin gerettet. So kann ich es jahrelang hier aushalten. Kein Problem!

Links neben dem Sportplatz, durch ein Knick getrennt, war eine lecker Obstwiese. Äpfel, Birnen, Kirschen und Wallnüsse satt zum Herbst.

Auf dem Hof, gegenüber von meinem Schlafzimmer, war ein großer Pavillon. Dahinter gab es einen Schweine-, Hühner- und Gänsestall. Direkt hinter dem Stall und der Obstwiese war 'LECA', eine Fabrik die Steine herstellte. Riesige Mengen an Steinen, in hohen Türmen gestapelt, lagen dort auf dem Hof herum. Ideal zum Versteck bauen – mein erster Gedanke!

Auf der anderen Straßenseite vom Heimgelände war ein großer Bauernhof.
Im Keller des Heimes waren die Küche, Vorratskammern, Wäschekammer und die Heizungsanlage untergebracht.

Besondern erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass es dort im Keller auch zwei richtige Zellen wie im Gefängnis gab. Mit richtigen massiven Gittern vor dem Fenster - wie ich es damals in dem Gefängnis in Glückstadt gesehen hatte. Schwere dicke Türen mit massiven Riegeln oben und unten, und einem großen Schloss. Über den Türen war ein Loch in der Mauer. [für später wichtig]
Nicht allzu groß, aber es reichte...

Die linke Gefängniszelle war perfekt ausgestattet.
Ein Bett, ein Tisch und Stuhl und eine Lampe an der Decke.
Mehr braucht ein Gefangener auch nicht.

Und wie zum Hohn wurde die Gefängniszelle direkt daneben, als Vorratskammer für Leckereien genutzt.
Eingesperrt wurde man leider immer nur in der Knastzelle, nicht in der daneben.
Aber warten wir es ab – man wird sehen!

Das war also der Keller.

In der Parterre hatten die Bürohengste und die älteren Kinder ihr Revier.
Da gab es auch einen großen Saal, der auch mal als Film und Fernsehraum genutzt wurde, einen Wasch- und Duschraum und Toiletten. Sonst weiß ich nicht viel über diesen Stock, weil ich ja nur das Heimleiterbüro, den Raum von dem Psycho-Kasper und den Saal kennen gelernt habe.

Im ersten Stock war ja mein Flur mit meiner Gruppe und den Gruppen mit den Mädels, der Wasch- und Duschraum und die Toiletten. [Damals noch nicht nach Geschlechtern getrennt]. Und überall hatten wir Spanner schon kleine Löcher in die Wände gemacht. Aber keine Bange, die Mädels schauten uns genauso beim Duschen zu wie wir ihnen.

Neugierige Kinder gab es hier genug.
Kinder sind eben so!
Da war ich nicht der einzige – geprügelt haben wir uns um freie Plätze, wenn die Mädels duschen gingen. Und das Kichern der Mädels war bis in die Stadt zu hören, wenn sie uns dann unter der Dusche begafften.
Na klar versuchten die Erzieher das zu verhindern, aber kaum war das eine Guckloch zu, gab es schon ein Neues!

Der Dachboden war mit den Zimmern der Mitarbeiter vollgestopft.
Von dort aus konnte man auch in den Turm – der leider verschlossen war – gelangen.

Das ich da irgendwann einmal reingehen würde war doch wohl klar – oder? Ich war ja oft genug auf diesem Stockwerk. Mein Erzieher 'Rolfie' hatte auch ein Zimmer dort oben, da er aus Lübeck kam.

Er hatte sicherlich mal seine 'schwachen Momente', wenn wir zusammen waren, aber dann beließ er es bei seinen sehnsüchtigen Blicken und unbeholfenen Berührungen, von denen er wohl hoffte, dass ich sie nicht bemerken würde.

Aber dazu später mehr.
Für mich war 'Rolfie' letztlich 'Vater- und Mutterersatz' geworden, im Laufe der Zeit. Auch wenn DAS nicht unbedingt seinen Vorstellungen entsprochen hatte...




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